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SOCIUS.Blog

Hinter mir liegt eine besonders arbeitsdichte Phase in der ich an verschiedenen Orten der Republik mit ganz unterschiedlichen Organisationen und Menschen zu tun hatte:

_ Ich habe mit dem Team eines Vereins im Transformationsprozess an Strukturen und Kommunikationsprozessen gearbeitet. Insbesondere die Frage von Entscheidungs- und Verantwortungsübernahmen haben uns beschäftigt. Hierbei geht es nicht nur in diesem Verein schnell um Vertrauen, Konflikte, Beziehungen und den langen Atem, der nötig ist, immer wieder Pausen zu ertragen und neue Anläufe zu nehmen. Trust  the process.

_ Ich habe in der Mediationsausbildung meiner Freundin und Kollegin Kerstin Kittler von ImKonsens das Modul „Mediation in Organisationen“ geleitet und mich mit den 12 Teilnehmenden lange über den Umgang mit Macht in institutionellen Konflikten auseinandergesetzt. Die verschiedenen Formen von Macht haben uns beschäftigt und wir haben in diversen Praxisformaten wie Simulation, Rollenspiel, Fishbowl und Kollegialer Beratung dazu und Fragen für sinnvolle Vorgehensweisen für Mediator*innen in Organisationen experimentiert.

_ im SOCIUS Innenraum haben wir uns beim Teamtag mit Qualitätsfragen und Qualitätssicherung in Beratungsprozessen und für unsere Arbeit beschäftigt sowie gemeinsam überlegt, wie und unter welchen Bedingungen wir unser Nextwerk erweitern wollen und können. We’ll keep you posted.

_ im SOCIUS labor haben wir uns mit Schutzkonzepten und der achtsamen Grenzziehung beschäftigt. Dazu gibt es hier mehr zu lesen.

_ in einer kleinen und sehr feinen zweitägigen Werkstatt für interne Entwickler*innen hatte ich das Vergnügen gemeinsam mit Andreas Knoth fünf Personen aus drei Organisationen zu begleiten in ihrer Reflexion. Die Werkstatt zeichnete sich aus durch gemeinsames Lernen – also u.a. Input unserer Modelle zu oe Perspektiven, oe Prinzipien, oe Phasen und oe Prozess sowie Arbeit an den Fragen und Herausforderungen der Teilnehmenden anhand von Übungen und Methoden.

Schon allein beim Aufschreiben spüre ich wie befriedigend, sinnstiftend und inspirierend diese Arbeit ist und wie dankbar ich immer wieder über das mir und uns entgegengebrachte Vertrauen bin.

Dies gilt auch für eine sehr besondere Arbeit der letzten Woche:

zum ersten Mal habe ich einen Tag mit 120 Kinder und Jugendlichen (im Alter von 10 bis 18 Jahren) plus ca. 40 pädagogischen Fachkräften begleitet. Das Bildungshaus Riesenklein in Halle hat mit seiner Oberschule Bildungsmanufaktur einen Zukunftsgestaltungsprozess begonnen, der Partizipation, Augenhöhe und zeitgemäße Bildung ernst meint. Die Vorbereitungen liefen ungefähr ein knappes viertel Jahr. Es wurde eine so genannte Steuerungsgruppe aus Schüler*innen und Lernbegleiter*innen aller Jahrgangsstufen gebildet, die gemeinsam mit meinem Prozessgruppe genannten Team die Zukunftsmanufaktur inhaltlich vorbereiteten. Die Themen der Zukunftsmanufakturtage kamen aus den jeweiligen Lerngruppen. Wir in der Prozessgruppe (ich als Externe und zwei Personen aus der Organisation) waren für die Prozessgestaltung zuständig. Diese planten wir mit der Steuerungsgruppe als auch alleine sehr detailliert in dem Wissen, dass wenn es dann mal losgegangen ist, es einfach laufen kann.

Und so war es dann auch: die Kinder und Jugendlichen hatten gemeinsam mit ihren Lernbegleiter*innen den Vortag genutzt um sich mit Begriffen wie Inklusion, Digitalisierung, Respekt, Veganes Essen, Ökologie, Zukunft vertraut zu machen, ein Bildungskino abzuhalten und im Anschluss daran sich auf den gemeinsamen Zukunftsmanufakturtag einzustimmen in dem alle Workshopthemen vorgestellt wurden und ein erstes Interessenbekundungsbild entstand.

So war klar dass am nächsten Tag die 12 von den Kindern und Jugendlichen gewählten Themen in 18 Workshops und 2 Runden stattfinden würden.

Wir begannen den Tag mit kleinen Murmelrunden zu Schlagworten die die Kinder und Jugendlichen vorab ausgesucht hatten, und die sie mit ihrer Schule und der Zukunft verbinden. Hierbei würde gleich spürbar wie engagiert die jungen Menschen waren, wenn es darum ging sich auszudrücken.

Die Choreografie des Tages folgte dem Muster eines Prozesses wie wir ihn bei SOCIUS gerne nutzen:

Es war ein großer Genuss miterleben zu dürfen wie Kinder und Jugendliche in allen Altersstufen sich für ihre Schule und deren Entwicklung gemeinsam engagieren und was möglich ist, wenn den Kindern eine Stimme gegeben wird. Es wurden sehr konkrete Vorgehensvorschläge in den Workshops erarbeitet, die die Steuerungsgruppe nun sichtet und daraus entweder schon gleich Umsetzungsvorschläge generiert oder es zur weiteren Bearbeitung in die AGs gibt. Hier wird also der an diesem Tag begonnene Prozess fortgesetzt.

Mein besonderer Herzensmomente fand im Abschlussplenum statt: Als ein junger Mensch, vielleicht 12 Jahre alt, die Ergebnisse seines Workshops zum Thema „Pausen“ souverän mit dem Mikro in der Hand seiner Schulgemeinschaft vorstellte, schob sich mir eine warme Hand in die meine. Ich schaute mich um und neben mir saß ein Junge mit Down Syndrom, der – während ich ganz konzertiert auf seinen Mitschüler war – so Kontakt zu mir aufnahm. Da stand ich also dann: Händchenhaltend mit diesem Kind und meiner Konzentration und Stärkung in Richtung des anderen, um den Raum zu halten für alle die da waren und mitmachen wollten, die Zukunft ihrer Schule zu gestalten. Das werde ich nicht vergessen.

Nicola Kriesel

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