{"id":249163,"date":"2022-10-07T12:28:01","date_gmt":"2022-10-07T10:28:01","guid":{"rendered":"https:\/\/socius.de\/?p=249163"},"modified":"2026-02-15T15:58:17","modified_gmt":"2026-02-15T14:58:17","slug":"the-seven-muscles-of-self-organisation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/socius.de\/en\/selbstorganisation-b\/die-sieben-muskeln-der-selbstorganisation\/","title":{"rendered":"The seven muscles of self-organisation"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; admin_label=&#8220;section&#8220; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_row admin_label=&#8220;row&#8220; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><b>Selbstorganisation ist eher eine Praxis als ein Strukturmodell.<\/b> Und w\u00e4hrend Modelle einfach \u00fcbernommen werden k\u00f6nnen, ist der Weg zur Beherrschung einer Praxis die Praxis selbst: Studien gehen von 10.000 Stunden aus, um auf einem Feld Exzellenz zu erreichen (Malcom Gladwell 2009: Outliers). Um etwa ein \u201eexzellenter\u201c Pianist zu werden, muss ich 10 Jahre lang t\u00e4glich drei Stunden Klavier \u00fcben. Wie kommen wir also darauf, dass wir, um Selbstorganisation zu meistern, lediglich enthusiastisch <a href=\"https:\/\/www.reinventingorganizations.com\/\">Laloux<\/a> lesen und unser Organigramm von K\u00e4stchen auf Kreise umstellen m\u00fcssen? Nein, meine Freund:innen, wir m\u00fcssen trainieren, und abh\u00e4ngig von unseren fr\u00fcheren Verstrickungen, ordentlich trainieren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-249165  alignright\" src=\"https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-democracy-fitness-300x292.jpg\" alt=\"\" width=\"209\" height=\"203\" \/><\/p>\n<p>In einer der inspirierenden Break-Out-Sessions der gro\u00dfen Covid Networking Wolke hatte ich das Vergn\u00fcgen, auf\u00a0Trine Demant von \u201e<a href=\"https:\/\/www.democracyfitness.eu\/\">Democracy Fitness<\/a>\u201e zu treffen. Mit ihrem Team hat sie eine Reihe von Kurzprogrammen entwickelt, in denen \u201eDemokratie-Muskeln\u201c trainiert werden \u2013 im Alltag oft versch\u00fcttete pers\u00f6nliche Kompetenzen, die entscheidend f\u00fcr die aktive Gestaltung und Beteiligung an einer lebendigen Demokratie sind. Zu den Kompetenzen geh\u00f6ren etwa \u201eVerbales Selbstvertrauen\u201c, \u201eEmpathie\u201c oder \u201eMobilisierung\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Trainings sind aktivierend und machen Spa\u00df, sollen aber auch herausfordern: \u201eWenn es ein bisschen weh tut, ist das ein gutes Zeichen daf\u00fcr, dass Du die \u00dcbungen richtig ausf\u00fchrst\u201c, hei\u00dft es dazu im Einf\u00fchrungshandbuch. Erstaunlich ist dabei: Jedes Training dauert nur 30 Minuten. Hey, was ist mit den 10.000 Stunden? Nun ja, irgendwo muss man ja anfangen \u2013 das Training ist lediglich die Einf\u00fchrung in einen ungenutzten Teil unseres Potenzials. Mit den Worten von democracy fitness: \u201eWenn Du fertig bist, wirst Du Dich immer daran erinnern, dass Du und andere diesen Muskel haben\u201c.<\/p>\n<p>Fasziniert von diesem Ansatz frage ich mich nat\u00fcrlich, wie er sich auf die Entwicklung von Selbstorganisation \u00fcbertragen l\u00e4sst? Wenn wir davon ausgehen, dass wir trainieren m\u00fcssen, um erfolgreich neue Wege der Zusammenarbeit zu gehen, welche Teile unserer F\u00e4higkeiten sollten wir dann kultivieren? Meine Vermutung ist, dass die Muskeln der Selbstorganisation nicht so weit von den Muskeln der Demokratie-Fitness entfernt sind.<\/p>\n<p>Wir haben \u00fcber diese Frage bei unserer letzten SOCIUS Klausur an der Adriak\u00fcste nachgedacht. Die folgende Liste der Sieben Muskeln der Selbstorganisation ist ein erstes Ergebnis dieser Gespr\u00e4che:<\/p>\n<ol>\n<li aria-level=\"1\">Kultivierung von Vertrauen<\/li>\n<li aria-level=\"1\">Pr\u00e4senz (im F\u00fchren und Folgen)<\/li>\n<li aria-level=\"1\">Selbstnavigation<\/li>\n<li aria-level=\"1\">Souver\u00e4nit\u00e4t in Rauen Gew\u00e4ssern<\/li>\n<li aria-level=\"1\">Resonanz in Beziehungen<\/li>\n<li aria-level=\"1\">Bewusstheit f\u00fcr Lebende Systeme<\/li>\n<li aria-level=\"1\">Einbindung im Groove<\/li>\n<\/ol>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es andere Versionen, sicher braucht es auch noch einige \u00dcberarbeitungsschleifen \u2013 aber es ist erstmal ein solider Ausgangspunkt. Schauen wir uns die Muskeln, ihre Bedeutung im Kontext von Selbstorganisation und die M\u00f6glichkeiten des Trainings etwas genauer an:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><b>Kultivierung von Vertrauen\u00a0<\/b><\/h4>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-251025  alignleft\" src=\"https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-vertrauen-300x284.png\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"170\" srcset=\"https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-vertrauen-300x284.png 300w, https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-vertrauen-13x12.png 13w, https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-vertrauen-400x383.png 400w, https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-vertrauen.png 405w\" sizes=\"(max-width: 179px) 100vw, 179px\" \/><\/p>\n<p><i>(Dem Prozess vertrauen; Sich selbst und anderen vertrauen, dem Universum vertrauen, Geduld haben, optimistisch bleiben)<\/i><\/p>\n<p>Einer der hartn\u00e4ckigsten Vorbehalte gegen\u00fcber Praktiken der Selbstorganisation ist, dass sie zu zeitaufw\u00e4ndig sind. \u201eIn ruhigen Gew\u00e4ssern k\u00f6nnen wir uns den Luxus dezentralisierter Kontrolle leisten, aber wenn das Wetter rau wird und viel auf dem Spiel steht, sollten wir besser auf etwas Strafferes und Effizienteres zur\u00fcckgreifen\u201c. Sehen wir da mal etwas genauer hin: Selbstorganisation wird vor allem da langsam, wo Vertrauen fehlt. Wenn ich davon ausgehe, dass meine Teammitglieder inkompetent sind oder ihre Macht missbrauchen und in einer Weise handeln, die eher ihren eigenen Interessen als unserer gemeinsamen Sache dient, werde ich versuchen, sie zu kontrollieren. Ich sorge daf\u00fcr, dass Reports und Entscheidungen im Plenum erfolgen und dass Genehmigungsschleifen und dreifache Kontrollsysteme installiert sind. All das macht Prozesse langsam und uninspirierend. Wenn ich dagegen darauf vertraue, dass meine Mitstreiter:innen die gemeinsame Sache im Blick haben und kompetent (oder zumindest nach bestem Wissen und Gewissen) handeln, kann ich mich auf ein handhabbares Minimum an Kontrolle einlassen und so ein Maximum an Dynamik erm\u00f6glichen. Die Zone dessen, was \u201esicher genug ist, um es zu versuchen\u201c, w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Kann man diese Art von Vertrauen trainieren? Ein grundlegender Baustein dazu ist ein Ph\u00e4nomen, das der Psychoanalytiker Erik Erikson \u201eUrvertrauen\u201c nennt \u2013 eine tiefe und grundlegende \u00dcberzeugung, dass die Welt ein guter Ort ist, der mich n\u00e4hrt. Nach Eriksons Entwicklungstheorie wird Urvertrauen idealerweise in den ersten 1,5 Lebensjahren eines Kindes aufgebaut und bildet die Grundlage f\u00fcr sp\u00e4tere Vertrauenserfahrungen und eine zuversichtliche und optimistische Lebenseinstellung. Ein Aspekt dieses Optimismus ist \u201ePeople Positivity\u201c \u2013 die \u00dcberzeugung, dass Menschen kompetent, f\u00e4hig und \u2013 wenn nicht anders sozialisiert \u2013 bereit sind, zum Gemeinwohl beizutragen.<\/p>\n<p>Die St\u00e4rkung der F\u00e4higkeit zu vertrauen beginnt bei der Frage: \u201eWann und wie f\u00fchle ich mich sicher\u201c? Und dann konkreter: \u201eWann f\u00fchle ich mich sicher genug, um es zu wagen, meinen Kolleg:innen in ihren Rollen und Verantwortlichkeiten zu vertrauen?\u201c. Je bewusster wir uns unserer Grundbed\u00fcrfnisse sind, desto besser verstehen wir, wo sich das Handeln anderer an ihnen reibt, und k\u00f6nnen dem auf produktive Weise begegnen.<\/p>\n<p>Neben der individuellen Dimension hat Vertrauen auch eine soziale Qualit\u00e4t, die von selbstverst\u00e4rkenden Feedbackschleifen gepr\u00e4gt ist: Vertrauen erzeugt Vertrauen; es beruht auf Commitments die eingel\u00f6st und auf Versprechen, die gehalten werden. Ohne solche Commitments gibt es keine Basis f\u00fcr den positiven Kreislauf des Vertrauens. Und ohne Vertrauensvorsch\u00fcsse gibt es keine Initialz\u00fcndung, die die Spirale positiver Erfahrungen in Gang setzt. Beides l\u00e4sst sich kultvieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><b>Pr\u00e4senz (im F\u00fchren und Folgen): Showing Up<\/b><\/h4>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-251024  alignleft\" src=\"https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-showingup-300x277.png\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"165\" srcset=\"https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-showingup-300x277.png 300w, https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-showingup-13x12.png 13w, https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-showingup.png 466w\" sizes=\"(max-width: 179px) 100vw, 179px\" \/><\/p>\n<p><i>(Dem Impuls folgen. Sp\u00fcren, was passieren will. Unerschrocken voran gehen. F\u00fchren. Und: Folgen: eine gute Idee erkennen und unterst\u00fctzen. Selbstlos mitgehen, Ja Sagen!)<\/i><\/p>\n<p>F\u00fchren ist ein Balanceakt zwischen inneren und \u00e4u\u00dferen Impulsen. Die Bewusstheit f\u00fcrs Innere, das Sp\u00fcren und Vertrauen in unsere Intuition, steht dabei der Wahrnehmung und Deutung des sozialen Feldes gegen\u00fcber. Wenn wir den Kontakt zu einer der beiden Seiten verlieren, wenn die beiden Welten sich vermischen oder eine das Handeln dominiert, wird F\u00fchrung schwierig. In selbstorganisierten Teams ist F\u00fchrungsenergie zwar verteilter und dynamischer als in klassischen hierarchischen Organisationen, aber der Balanceakt zwischen inneren und \u00e4u\u00dferen Impulsen ist genauso delikat. F\u00fchrungshandeln erfordert einen souver\u00e4nen Umgang mit diesen Impulsen und die F\u00e4higkeit, darin sinnvoll und unerschrocken zu handeln.<\/p>\n<p>Wie F\u00fchrung beruht auch Gefolgschaft (Followership) im Kontext von Selbstorganisation auf beherztem Handeln. Es geht nicht darum, einer Person zu folgen, sondern darum, ihren Impuls zu verst\u00e4rken. Die Kunst des Folgens besteht nicht darin, widerspruchslos jedes Spiel mitzuspielen, sondern darin, einen Impuls aufzunehmen und kreativ damit zu arbeiten. Derek Sievers bringt es auf den Punkt: \u201eUns wird gesagt, dass wir alle F\u00fchrung \u00fcbernehmen\u00a0 sollen, aber das w\u00e4re extrem ineffektiv. Die beste Art, Bewegung in etwas zu bringen, was uns wirklich am Herzen liegt, ist, mutig zu folgen und anderen zu zeigen, wie das geht\u201c.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir diesen Muskel trainieren? Zun\u00e4chst wollten wir uns daran erinnern, dass wir alle tiefgreifende Erfahrung im F\u00fchren und Folgen haben. Spielen ist ein flie\u00dfender Tanz aus impulsieren und mitgehen. Kinder sind im Allgemeinen ebenso in der Lage, spontan eine Idee vorzubringen und umzusetzen, wie freudig einem Handlungsangebot zu folgen: \u201eHey, lass uns\u2026\u201c \u2013 \u201eKomm, wir\u2026\u201c. \u201eJa, und\u2026\u201c. Es gibt eine Reihe von Gr\u00fcnden, warum diese angeborene F\u00e4higkeit, einem Impuls (oder vielleicht besser: uns selbst) zu folgen, im Jugend- und Erwachsenenalter oft versch\u00fcttet wird: Wir verbringen pr\u00e4gende Jahre in Bildungssystemen, die Impulskontrolle gegen\u00fcber Impulsivit\u00e4t bevorzugen; wir verbringen Zeit an mehr oder weniger regulierten Arbeitspl\u00e4tzen, an denen impulsives Handeln mit Skepsis begegnet wird; und wir leben in einem sozialen Umfeld, das F\u00fchrung glorifiziert und gleichzeitig Versagens\u00e4ngste und Gef\u00fchle von Hochstapelei n\u00e4hrt, sobald wir den Rahmen unseres formalen Rollenhaushalts \u00fcberschreiten. Es ist, gelinde gesagt, verwirrend. Das Training der F\u00e4higkeit, impulsiv zu handeln, beginnt damit, uns mit unserem spielerischen Selbst zu verbinden und die verinnerlichten Stimmen und Zw\u00e4ngen abzubauen, die den impulsiven Prozess unseres inneren Kindes begrenzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><b>Selbstnavigation\u00a0<\/b><\/h4>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-251023  alignleft\" src=\"https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-sebstnavigation-300x281.png\" alt=\"\" width=\"186\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-sebstnavigation-300x281.png 300w, https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-sebstnavigation-13x12.png 13w, https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-sebstnavigation.png 459w\" sizes=\"(max-width: 186px) 100vw, 186px\" \/><\/p>\n<p><i>(Bereit sein, zu lernen und zu verlernen; Die Selbstwahrnehmung kultivieren. Reflexion zur Routine machen; die eigenen Grenzen kennen und respektieren)<\/i><\/p>\n<p>Der Weg zur Selbstorganisation erfordert eine schrittweise Verlagerung von \u00e4u\u00dferen Strukturen hin zu innerer Kompetenz und pers\u00f6nlicher Entwicklung als Quellen von Stabilit\u00e4t. Der Muskel der Selbstnavigation ist dabei zugleich Voraussetzung und Produkt dieses Prozesses. Er fu\u00dft auf der Ortskenntnis unserer inneren Landschaft und bedingt die F\u00e4higkeit, sich einzulassen und dabei zugleich die eigenen Grenzen zu respektieren. W\u00e4hrend hierarchische Organisationen oft Belastungen durch Entfremdung und Fremdsteuerung mit sich bringen, besteht die Belastung im Kontext von Selbstorganisation h\u00e4ufig darin, ein gesundes Ma\u00df an Engagement zu finden, da wir nicht nur f\u00fcr uns selbst, sondern f\u00fcr das Gro\u00dfe Ganze mitverantwortlich sind.<\/p>\n<p>Selbstnavigation l\u00e4sst sich nicht aus dem Lehrbuch erlernen. B\u00fccher k\u00f6nnen Ideen und Inspirationen liefern, neue Dinge auszuprobieren oder Altes loszulassen, aber die Karte ist nicht das Gebiet: Das wirkliche Wachstum geschieht im reflektierten Handeln. Mikropraktiken und Reflexionsroutinen sind daf\u00fcr gute Container. Strukturelle Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Muskel der Selbstnavigation erfordert, ihnen Raum und Zeit zu widmen und sie gegen die gierigen Wellen des Tagesgesch\u00e4fts zu verteidigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><b>Resonanz in Beziehungen<\/b><\/h4>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-251021  alignleft\" src=\"https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-resonanz-300x279.png\" alt=\"\" width=\"163\" height=\"152\" srcset=\"https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-resonanz-300x279.png 300w, https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-resonanz-13x12.png 13w, https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-resonanz.png 435w\" sizes=\"(max-width: 163px) 100vw, 163px\" \/><\/p>\n<p><i>(Tief zuh\u00f6ren. Empathie und Neugierde kultivieren. Mit dem Herzen h\u00f6ren)<\/i><\/p>\n<p>Die Bedeutung von Resonanz f\u00fcr jegliche soziale Praxis liegt auf der Hand. F\u00fcr die Praxis der Selbstorganisation ist sie besonders relevant: Die adaptive Qualit\u00e4t von selbstorganisierenden Systemen zielt auf die laufende Anpassung an ihrer Umwelt. Zur Umwelt geh\u00f6rt dabei das externe Feld, aber auch die interne Dynamik, die die Mitglieder einbringen. Die wirklich spannenden Dinge in diesen beiden Bezugswelten liegen unsichtbar unterhalb der Wasserlinie. Auf kollektiver Ebene bedeutet Resonanz, solch verborgene Dynamiken zu ersp\u00fcren.<\/p>\n<p>Auf der Beziehungsebene liegt Resonanz nahe bei Empathie. Empathie ist die F\u00e4higkeit, sich in eine andere Person einzuf\u00fchlen und ihre emotionale Situation zu erleben. Sie kann zum Beispiel durch Perspektiven\u00fcbernahme kultiviert werden: in die Schuhe des Gegen\u00fcbers schl\u00fcpfen, Austausch und Feedback \u00fcben. Ein weiterer Weg ist das tiefe Zuh\u00f6ren, das etwa in der dialogischen Praxis und in der gewaltfreien Kommunikation verankert ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><b>Souver\u00e4nit\u00e4t in rauhen Gew\u00e4ssern<\/b><\/h4>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-251022  alignleft\" src=\"https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-roughwaters-300x216.png\" alt=\"\" width=\"202\" height=\"145\" \/><\/p>\n<p><i>(Abweichende Meinungen vertreten; Die produktive Kraft von Spannungen genie\u00dfen; Entschlossen verhandeln; Wo n\u00f6tig Nein-Sagen)<\/i><\/p>\n<p>Teams mit einem ausgepr\u00e4gten Wertehintergrund der \u201ePeople Positivity\u201c kultivieren oft ein Dogma der Harmonie: \u201eIch stelle deine Idee nicht in Frage und du stellst meine nicht in Frage\u201c. Eine solche Harmonie verringert das Potenzial kollektiver Kreativit\u00e4t und f\u00fchrt zu Schw\u00e4chen in der Entscheidungsfindung: Ideen und Beitr\u00e4ge werden einfach unter einem breiten Dach zusammengefasst, anstatt kritisch gepr\u00fcft und ausgew\u00e4hlt oder zusammengef\u00fchrt zu werden. Unterschiede in den Standpunkten und Interessen werden mit einer Decke der Wertsch\u00e4tzung \u00fcberdeckt. Diese Art von Harmonie wird oft mit Alignment verwechselt: \u201eWenn wir uns nicht reiben, m\u00fcssen wir wohl eine gemeinsame Ausrichtung haben\u201c.<\/p>\n<p>Die Praxis der Selbstorganisation betrachtet Spannungen dagegen als notwendigen Treibstoff f\u00fcr Entwicklung. Holacracy definiert sie etwa als \u201eL\u00fccke zwischen der aktuellen Realit\u00e4t und einem wahrgenommenen Potenzial\u201c. Die regelm\u00e4\u00dfige Bearbeitung von Spannungen hilft dabei auch, zu verhindern, dass sie zu manifesten Problemen und Konflikten eskalieren.<\/p>\n<p>Souver\u00e4nit\u00e4t in Rauen Gew\u00e4ssern erfordert ein fruchtbares Ma\u00df der Einlassung auf solche Spannungen. Stell Dir vor, Du gehst spazieren und finden einen Haufen Schutt auf deinem Weg. Bei einem einmaligen Ausflug wirst Du den Haufen wahrscheinlich weder wegschaufeln noch \u00fcber ihn hinwegklettern. Je nach Stimmung bleibst Du vielleicht kurz verwundert oder ver\u00e4rgert stehen und umrundest dann das Hindernis, um zu Deinem Ziel zu kommen. Handelt es sich hingegen um einen Weg, den Du t\u00e4glich gehst, liegt es nahe, dass Du den Haufen wegr\u00e4umst, um dauerhaft Zeit und Energie zu sparen. Mit Konflikten und Spannungen verh\u00e4lt es sich \u00e4hnlich: Die einmaligen Kleinigkeiten wie auch einige Spezial-Dramen k\u00f6nnen wir einfach umschiffen. Warum Energie auf etwas verschwenden, das uns von unserem Ziel ablenkt? Die Spannungen, die uns dagegen immer wieder in die Quere kommen, sollten wir angehen, ganz gleich, wie unbedeutend oder massiv sie sind.<\/p>\n<p>Der Weg zur Souver\u00e4nit\u00e4t in Rauen Gew\u00e4ssern, ist schlicht, aber nicht einfach: \u00dcbe, mit Spannungen umzugehen, ohne Dich von ihnen verr\u00fcckt machen zu lassen. Initiiere Spannung in einem sicheren sozialen Umfeld und bleib bei ihr, ohne sie zu entsch\u00e4rfen. Sei kritisch, sei w\u00fctend, sei unh\u00f6flich, wenn es sein muss. \u00dcbe Einspruch, sag Nein. Achte auf Deine Empfindungen, Deine k\u00f6rperlichen und geistigen Reaktionen. Mach Dir Notizen \u00fcber Deine t\u00e4glichen Workarounds und entscheide Dich, welchen dieser Umwege Du loswerden willst.\u00a0 Und dann tu es einfach und sieh, wie das Leben danach weitergeht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><b>Bewusstheit f\u00fcrs lebendige System \/ Complexity Counsciousness<\/b><\/h4>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-251020  alignleft\" src=\"https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-komplexitaet-289x300.png\" alt=\"\" width=\"162\" height=\"168\" \/><\/p>\n<p><i>(Muster erkennen und Dynamiken beobachten. Vereinfachungen misstrauen. Das gro\u00dfe Ganze im Blick behalten. Verstehen, wie auch kleine Dinge den Purpose n\u00e4hren. Aufmerksam sein f\u00fcr emergente Ordnungen)<\/i><\/p>\n<p>Komplexit\u00e4tsbewusstsein (<i>Complexity Consciousness<\/i>) ist eine der Metakompetenzen unserer Zeit. Sie bezeichnet die Anerkennung der nicht-linearen dynamischen Qualit\u00e4t sozialer Prozesse und die F\u00e4higkeit, mit dieser Dynamik umzugehen, was wiederum Flexibilit\u00e4t, Geduld und Ambiguit\u00e4tstoleranz erfordert. Die besondere Relevanz dieses Muskels f\u00fcr die Navigation selbstorganisierender Systeme hat mit deren spezifischer Mischung aus formellen und informellen Settings zu tun.<\/p>\n<p>Bem\u00fchen wir hier eine weitere Analogie: Beim Autofahren steuern wir ein kompliziertes System, das auf einer Mechanik erster Ordnung mit einigen selbstregulierenden R\u00fcckkopplungsschleifen aufbaut. Nat\u00fcrlich braucht es eine gewisse Ausbildung, um Start- und Steuervorrichtungen zu bedienen, um den Unterschied zwischen Kupplung und Bremse zu kennen und um zu wissen, welche Anzeigen im Auge zu behalten sind. Wenn das Auto eine Panne hat, ist es gut zu wissen, welcher Mechaniker weiterhelfen kann. Das war\u2019s eigentlich schon. Der wirklich knifflige Part ist nicht das Auto, sondern der Verkehr. Sich souver\u00e4n durch dichten Verkehr zu bewegen, erfordert mehr als nur ein bisschen Training. Verkehr ist ein komplexes System, er ist lebendig und unberechenbar. Er besteht aus dynamischen Interferenzen und selbst-verst\u00e4rkenden R\u00fcckkopplungsschleifen, die pl\u00f6tzliche Ver\u00e4nderungen bewirken k\u00f6nnen. Sich in diesem Umfeld zurechtzufinden, erfordert Erfahrung, Achtsamkeit und mitunter beherztes Handeln.<\/p>\n<p>Organisationen vereinen diese beiden Qualit\u00e4ten: W\u00e4hrend Strukturen und Prozesse kompliziert sind, bilden die sozialen Interaktionen in ihnen eine komplexe zweite Realit\u00e4t ab. Je mehr wir den Schwerpunkt auf informelle Dynamik statt auf formale Strukturen und Prozesse legen, desto mehr m\u00fcssen wir uns auf diese komplexe Natur der Organisation einstellen. Selbstorganisierende Systeme beruhen auf einem hohen Ma\u00df emergenter Dynamik \u2013 in dem Sinne ist in ihnen die Qualit\u00e4t des Verkehrs pr\u00e4gender, als die des Autos.<\/p>\n<p>Wie l\u00e4sst sich eine Bewusstheit f\u00fcrs Lebende System aufbauen? Das Einlassen auf Komplexit\u00e4t erfordert zun\u00e4chst eine spezielle Art des Sehens: Sie lebt vom flie\u00dfenden Wechsel zwischen der konzentrierten Beobachtung von Details und der offenen Wahrnehmung von Mustern. Was gestern geschehen ist und was jetzt gerade geschieht, ist relevant. Seine Bedeutung erh\u00e4lt es aber vor allem durch dem Kontext dessen, was immer wieder geschieht.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ist es auch hilfreich, Klarheit \u00fcber unsere Modelle zu bewahren. Der Komplexit\u00e4t unserer sozialen Welt gerecht zu werden, ist praktisch unm\u00f6glich: wir brauchen Modelle und Abk\u00fcrzungen, um handlungsf\u00e4hig zu bleiben. Wenn wir vergessen, dass wir diese kognitiven Hilfsmittel nutzen, verwechseln wir unsere Vereinfachungen mit der Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><b>Einbindung im Groove \/ Alignment Ability<\/b><\/h4>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-251019  alignleft\" src=\"https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-alignment-300x201.png\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"142\" srcset=\"https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-alignment-300x200.png 300w, https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-alignment-18x12.png 18w, https:\/\/socius.de\/wp-content\/uploads\/7m-alignment.png 453w\" sizes=\"(max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/p>\n<p><i>(Alignment entstehen lassen. Die kollektive Dynamik und die eigene Rolle darin sp\u00fcren. Sich synchronisieren. Swing ins Spiel bringen)<\/i><\/p>\n<p>Der letzte Muskel ist der kniffligste und umfassendste. \u201eGroove\u201c ist ein nebul\u00f6ses Konzept das schwer zu operationalisieren ist (k\u00f6nnen Algorithmen miteinander grooven?). Die erste Zutat zum Groove ist \u201eAlignment\u201c \u2013 eine Qualit\u00e4t, die sich vielleicht am besten mit \u201egemeinsamer Ausrichtung\u201c \u00fcbersetzen l\u00e4sst; die zweite ist lebendige Dynamik, oder auch \u201eSwing\u201c.<\/p>\n<p>Eine Lebendige Ausrichtung bedeutet nicht, dass alle in dieselbe Richtung schwimmen oder ein gemeinsames Ziel haben \u2013 es geht darum, dass das \u00fcbergeordnete Ziel mit dem Ziel jedes Einzelnen <i>zusammenpasst<\/i>. Was genau ist der Unterschied? In manchen Kollektiven herrscht Nivellierung vor: Alle folgen einer gemeinsamen Richtung, denken, gleich, f\u00fchlen gleich \u2013 es gibt keine individuellen Absichten, da jede:r Einzelne seine\/ihre Agenda ins Kollektiv projiziert. Im Gegensatz dazu m\u00fcssen f\u00fcr gelingende Selbstorganisation die individuellen Agenden aufgeladen sein und dynamisch auf das gemeinsame Ziel ausgerichtet werden (Spotify hat hierf\u00fcr den Begriff der \u201e<i>Aligned Autonomy<\/i>\u201c gepr\u00e4gt). Die leichten Divergenzen zwischen der individuellen und der kollektiven Zielebene und die daraus entstehenden Spannungen sind Motor von Entwicklung. Wenn sie keinen Raum haben und nicht zelebriert werden, ist das System zwar ausgerichtet, aber nicht lebendig.<\/p>\n<p>Eine dynamische Einbindung in den Groove zu entwickeln, ist so anspruchsvoll, wie ein guter Jazzmusiker zu werden. Es erfordert ein feines Geh\u00f6r, einen offenen Geist und eine Beherrschung den eigenen Rollen; in gewissem Sinne baut dieser Muskel auf den Vorhergehenden auf: auf der F\u00e4higkeit zu Vertrauen, der Pr\u00e4senz, der Selbstnavigation und allen anderen. Und wie alle Muskel w\u00e4chst er vor allem mit der Erfahrung der Praxis.<\/p>\n<p>Die Liste zeigt: Es gibt Dinge, zu denen wir f\u00e4hig sind, die wir aber in unserem sozialen Alltag nicht praktizieren, so dass die entsprechenden F\u00e4higkeiten verk\u00fcmmern. Wenn wir diese Muskeln wieder entdecken, k\u00f6nnen wir sie trainieren und zur\u00fcckerobern. Jeder Muskel hat dabei eine individuelle und eine kollektive Qualit\u00e4t. Ich muss lernen pr\u00e4sent zu sein und Impulsen zu folgen, und wir als Team m\u00fcssen lernen, das Beste aus diesen Impulsen zu machen. Ich muss Praktiken der Selbstnavigation entwickeln, und wir als Team m\u00fcssen R\u00e4ume schaffen, die diese Praktiken unterst\u00fctzen. Sowohl die individuelle als auch die kollektive Qualit\u00e4t kann durch ein Training initiiert werden, das die entsprechenden Muskeln anregt. SOCIUS arbeitet an der ersten Serie solcher Trainingseinheiten.<\/p>\n<p><b>In diesem Sinne: Stay tuned, wir sehen uns im Fitnessstudio!<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbstorganisation ist eher eine Praxis als ein Strukturmodell. Und w\u00e4hrend Modelle einfach \u00fcbernommen werden k\u00f6nnen, ist der Weg zur Beherrschung einer Praxis die Praxis selbst: Studien gehen von 10.000 Stunden aus, um auf einem Feld Exzellenz zu erreichen (Malcom Gladwell 2009: Outliers). 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