Fast die Hälfte aller Beschäftigten zwischen 35 und 59 Jahren lebt mit mindestens einer chronischen Erkrankung — und dennoch ist das Thema in der Arbeitswelt weitgehend unsichtbar. Migräne, Diabetes, MS, Long Covid, ME/CFS, Endometriose, Krebs, Fibromyalgie, psychische Erkrankungen: Die Gesichter chronischer Erkrankung sind so vielfältig wie die Menschen, die mit ihnen arbeiten, führen und wirksam sein wollen.
Was sie eint: Die Erkrankung ist oft nicht zu sehen — und wird deshalb häufig allein, still und verborgen getragen. Dazu kommt die Angst vor den Konsequenzen einer Offenlegung: ein Karriereknick, veränderte Blicke im Team, das Gefühl, auf die Erkrankung reduziert zu werden statt auf das, was man wirklich kann und beiträgt.
Chronisch krank zu sein ist kein Widerspruch zum Arbeiten. Es ist aber ein Widerspruch zu einer Arbeitswelt, die auf ununterbrochene Verfügbarkeit und lineare Leistung ausgelegt ist.
Seit Oktober 2024 bieten Joana Ebbinghaus und Nicola Kriesel von SOCIUS monatlich einen offenen Online-Salon an — einen Raum, in dem Betroffene, Kolleg*innen, Führungskräfte und alle, die Organisationen gestalten, zusammenkommen, um offen und ohne Rechtfertigung darüber zu sprechen, was chronische Erkrankung im Arbeitskontext wirklich bedeutet. Und was es bräuchte, damit es anders wird.