Beraten oder begleiten:

Was passt besser zu Euch?

Autor:in: Nicola Kriesel

Wenn Organisationen, KMU oder Start-ups Veränderungsprozesse durchlaufen, stellt sich oft die Frage: Brauchen wir eine Beratung oder eine Begleitung

Beide Ansätze zielen darauf ab, Transformationen erfolgreich zu gestalten, und es gibt wesentliche Unterschiede in ihrer Herangehensweise. 

Beratung: Fachliche Expertise und Strategieentwicklung

Die Beratung konzentriert sich darauf, Organisationen mit fachlichem Wissen und strukturierten Methoden zu unterstützen. Sie analysiert die bestehenden Strukturen, identifiziert Schwachstellen und erarbeitet Strategien zur Optimierung von Abläufen. Beratung erfolgt oft in klar definierten Phasen und zielt darauf ab, konkrete Lösungen oder Entscheidungsgrundlagen zu liefern.

Typische Merkmale von Beratung:

  • Analyse und Diagnose: Die Berater:innen führen Interviews, Workshops oder Umfragen durch, um den Ist-Zustand der Organisation zu erfassen.
  • Expertise und Best Practices: Basierend auf Fachwissen und Erfahrung geben sie gezielte Empfehlungen.
  • Lösungsorientierung: Beratung liefert konkrete Handlungsempfehlungen, oft mit einem klaren Zeit- und Maßnahmenplan.
  • Projektbasierte Zusammenarbeit: Beratung erfolgt häufig innerhalb eines begrenzten Zeitrahmens mit fest definierten Zielen.

Beispiel: Eine Organisation möchte ihre internen Kommunikationsstrukturen verbessern. Die Beratung analysiert die bestehenden Kanäle, erarbeitet eine neue Kommunikationsstrategie und schult die Mitarbeitenden in deren Umsetzung.

Begleitung: Veränderung nachhaltig gestalten

Die Begleitung setzt weniger auf externe Lösungen, sondern darauf, die Menschen in Organisationen im Veränderungsprozess zu unterstützen und nachhaltige Entwicklungen zu fördern. Hierbei wird der Fokus darauf gelegt, Mitarbeitende aktiv in die Gestaltung von Veränderung einzubinden.

Typische Merkmale von Begleitung:

  • Moderation und Reflexion: Begleitung bietet Raum für Dialog und unterstützt Teams dabei, eigene Lösungen zu entwickeln.
  • Dynamischer Ansatz: Anstatt eine fertige Lösung vorzuschlagen, wird der Veränderungsprozess schrittweise gemeinsam gestaltet.
  • Langfristige Unterstützung: Veränderungen sind nicht mit einem einmaligen Konzept getan – Prozessbegleitung begleitet Organisationen über einen längeren Zeitraum.
  • Stärkung der Selbstorganisation: Ziel ist es, die Organisation zu befähigen, Herausforderungen selbstständig zu bewältigen.

Beispiel: Eine Organisation durchläuft eine Strukturveränderung, die natürlich Auswirkungen auf die Kultur der Zusammenarbeit hat. Anstatt ein festes Konzept vorzugeben, bietet eine Prozessbegleitung Workshops an, moderiert Konflikte und unterstützt Teams dabei, Werte und Arbeitsweisen neu zu verankern.

Wann ist was sinnvoll?

Beide Ansätze haben ihre Berechtigung – die Wahl hängt von den Zielen und der Ausgangslage der Organisation ab, und häufig erleben wir auch, dass ein Wechsel nötig ist. 

Bei SOCIUS schlagen wir zu Beginn einer Zusammenarbeit oft vor, dass wir Einzel- oder Fokusgruppengespräche mit den Beteiligten führen können, dabei ist uns wichtig, nicht nur die Stimmen der Geschäftsführung oder Vorständ:innen zu hören, sondern aus allen Bereichen der Organisation Gesprächspartner:innen zu haben. Wir wollen die Organisation aus verschiedenen Perspektiven kennenlernen und verstehen. In der Regel schreiben wir eine (anonymisierte) Zusammenfassung aus den Gesprächen und spiegeln diese zurück in die Organisation. Das ist dann die Grundlage unserer Zusammenarbeit. 

Von hier aus werden oft auch noch Anpassungen in der Prozessplanung vorgenommen, insbesondere dann, wenn wir erfahren, dass die Ansichten zum behandelnden Thema sehr unterschiedlich sind und Konflikte drohen oder schon aktiv sind. Dann gilt: Beziehung vor Sache! 

Dieses Vorgehen entspricht dann eher dem, was unter Begleitung verstanden wird. Wir wissen am Anfang nicht, was am Ende rauskommt, selbst wenn die Richtung vorgegeben ist. Wie das Team sich bewegt, welche Hürden oder Bereicherungen sich auf dem Weg noch zeigen, das wissen wir vorher nicht. Und gleichzeitig können wir auf unsere jahrelange Erfahrung in Begleitung und Beratung zurückgreifen und oft erahnen, was kommt, wenn das Team entscheidet x zu machen. 

Manchmal vergleichen wir das mit einer Wanderung: der:die Wanderführer:in kennt sich aus im Gelände, ist vertraut mit den Wegen, hat das Ziel im Blick und weiß doch nicht, was an diesem Tag mit dieser Gruppe für Abenteuer auf sie:ihn warten. Es braucht also Sicherheit und Flexibilität in der Person, die begleitet, so dass sie – wenn nötig – auch beraten kann. 

Wir bei SOCIUS sagen auch oft: „Wir können Symphonie und Jazz.“ Als Freigeister und Menschenfreund:innen lieben wir Jazz und Improvisation, sind neugierig, abenteuerlustig und im Moment präsent. Wir begleiten. 

Als Freund:innen von Klarheit und Verlässlichkeit lieben wir Symphonien. Takte, Partituren, Methoden und tools halten wir für hilfreich auf dem Weg. Niemand sollte mit Flipflops auf eine Bergwanderung starten, und ohne Dirigent sind Symphonien schwer zu spielen. 

Unserer Erfahrung nach sind zu Beginn eines Prozesses häufig unsere Beratungskompetenzen gefragt, im meist langen Mittelteil geht es vor allem um Begleitung, und zum Ende unseres Auftrages ist oft wieder Beratung im Sinne von Empfehlung sinnvoll. 

Fazit: Die richtige Wahl treffen

Beratung bietet sich an, wenn Organisationen fachliche Expertise benötigen, die z.B. durch Inhouse-Schulungen Teil des organisationalen Wissens werden kann.  Begleitung ist die bessere Wahl, wenn es darum geht, Veränderungen nachhaltig zu verankern und die Organisation selbst zu befähigen.

Bevor ihr euch entscheidet, stellt euch folgende Fragen:

  • Suchen wir primär Wissen und Lösungen von außen oder wollen wir den Veränderungsprozess selbst gestalten?
  • Ist unser Problem klar definiert oder benötigen wir eine begleitende Reflexion?
  • Wie wichtig ist es, dass alle Mitarbeitenden dauerhaft aktiv einbezogen werden?

Egal, ob ihr euch für Beratung oder Begleitung entscheidet – entscheidend ist, dass die gewählte Unterstützung zu euch und euren spezifischen Bedürfnissen passt.

Wir können euch helfen, das in einem gemeinsamen Gespräch herauszufinden.

 

Wir freuen uns, wenn du an unseren Fokus-Umfrage zu „Interner Stabilisierung in der Disruption“ teilnimmst.