4. Juni 2026, 16:00 Uhr – 20:00 Uhr

Trauer braucht einen Ort

Socius Labor 11-2024

Überblick

Ein Labor über kollektive Trauer, gebrochene Versprechen und das, was unter der Wut liegt

Wer in der Zivilgesellschaft arbeitet, ist es gewohnt, dass Projekte enden. Der dritte Sektor kennt Unsicherheit, Befristung und Umbruch. Was jedoch gerade passiert, hat eine andere Qualität: Strukturen, die über Jahre gewachsen sind, sollen abgebaut werden. Arbeit, die Menschen schützte und stärkte, verliert ihre Grundlage. Das, was sicher erschien, ist ins Wanken geraten.

Das macht wütend. Und das ist gut so. Wut mobilisiert, sie wärmt, sie verbindet, sie lässt uns laut werden, sie treibt uns an, neue Wege zu finden.

UND unter der Wut sitzt meistens noch etwas anderes, leiseres: Die Trauer über einen Verlust, den wir noch nicht richtig in Worte fassen können; die Trauer über ein Versprechen, das gebrochen wurde, die Trauer über eine Zukunft, für die wir gekämpft und auf die wir gebaut haben. Für all das gibt es im Projekte-Alltag selten Raum. Der nächste Antrag wartet, die nächste Sitzung, die nächste Idee.

In diesem SOCIUS labor wollen wir genau diesen Raum schaffen und gemeinsam innehalten.

Wir gehen nicht davon aus, dass Trauer verarbeitet werden muss, um sie hinter uns zu lassen. Wir glauben, dass sie integriert werden will – dass sie einen Ort braucht, Beachtung, Gemeinschaft, Akzeptanz. Trauer gehört zu uns. Auch die kollektive.

Unsere Fragen für dieses Labor: Wie können wir das, was hinter der Wut liegt, so in unseren Alltag integrieren, dass es uns langfristig nicht schwächt – sondern trägt? Und wie gestalten wir Räume für kollektive Trauer, die stärken statt lähmen?

Wir kommen nicht mit fertigen Antworten. Wir legen diese Fragen in die Mitte – und erforschen sie gemeinsam. Wir haben ein paar Ideen und Ansätze, die wir gerne mit in die Mitte legen.

Für wen?

Für wen?

​Dieses Labor richtet sich an Menschen, die selbst von Kürzungen und dem Abbau zivilgesellschaftlicher Strukturen betroffen sind – ob gerade mittendrin oder schon hindurch. Und an Berater:innen, Facilitator:innen und Begleitende, die solche Prozesse mit anderen gestalten oder gestalten wollen. Vorkenntnisse braucht es keine – nur die Bereitschaft, innezuhalten.

Wann?

Termine

 

  • Donnerstag, 4. Juni 2026, 16 bis 20 Uhr
  • SOCIUS, Tempelhofer Ufer 21, 10963 Berlin

Wieviel?

Kosten

Uns ist wichtig, dass unsere Labore für alle zugänglich sind, und gleichzeitig ist uns wichtig, dass die Referent*innen der Labore angemessenes Honorar bekommen. SOCIUS verdient an den Laboren nichts. Dein Beitrag kommt direkt den Referent*innen zu Gute.

Wir bitten um einen selbstgewählten Beitrag zwischen 20,00 € und 150,00 €

Die Leistung ist nach § 4 Nr. 22 a) von der Umsatzsteuer befreit.

Was nimmst du mit?

  • Raum für das, was sonst keinen Platz finden
  • Erfahrung von kollektivem Bezeugen und gemeinsamer Trauer
  • Impulse und Methoden für die eigene Arbeit mit Gruppen in Verlust und Übergang
  • Verbindung mit Menschen, die ähnliche Fragen tragen

Hosts

Lysan Escher

Nathalie Rajević

Nathalie ist Erziehungs- und Bildungswissenschaftlerin und widmet sich seit über zehn Jahren der Stärkung zivilgesellschaftlichen Engagements in seinen verschiedensten Facetten. Seit 2020 unterstützt sie die Arbeit von Organisationen und Teams auch als Trainerin, Prozessbegleiterin und Coach.

Die Frage, wie wir als Gesellschaft mit anhaltenden Krisen, kollektiven Verlusten und tiefgreifenden Veränderungen umgehen, begleitet Nathalie dabei schon lange. Vor allem Pandemie, Klimakrise und die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung haben ihr dabei immer wieder vor Augen geführt, wie wenig Raum es für die Verarbeitung dieser Ereignisse gibt. Aber eine Gesellschaft, die Trauer verdrängt, verliert damit auch ihre Fähigkeit zur gemeinsamen Erinnerung und gleichzeitig zur Zukunftsgestaltung.

Lysan Escher

Nicola Kriesel

Nicola ist Prozessbegleiterin und Organisationsberaterin bei SOCIUS. Ihre Ausbildung zur Trauerbegleiterin hat sie 2023/24 gemacht. Sie bringt gelebte Erfahrung mit: mit Trauer, mit dem Körper als Ort des Verlustes, und mit dem, was Menschen und Gruppen brauchen, um wieder Boden zu finden. Auch vor der Arbeit macht Verlust nicht Halt, deswegen brauchen Teams Räume, in denen Trauer sichtbar sein darf – und in denen sie nicht allein gelassen werden. Sie ist überzeugt, dass Trauer – wenn sie gesehen und gehalten wird – reifen und wachsen lässt.

Mit diesem SOCIUS labor will sie sich einem weiteren Thema öffnen: kollektiver Trauer in Organisationen: Was passiert in Organisationen und in der Zivilgesellschaft, wenn Projekte sterben, Strukturen wegbrechen, Versprechen gebrochen werden? 

Noch Fragen?

Dann schreib uns