Ein Labor über kollektive Trauer, gebrochene Versprechen und das, was unter der Wut liegt
Wer in der Zivilgesellschaft arbeitet, ist es gewohnt, dass Projekte enden. Der dritte Sektor kennt Unsicherheit, Befristung und Umbruch. Was jedoch gerade passiert, hat eine andere Qualität: Strukturen, die über Jahre gewachsen sind, sollen abgebaut werden. Arbeit, die Menschen schützte und stärkte, verliert ihre Grundlage. Das, was sicher erschien, ist ins Wanken geraten.
Das macht wütend. Und das ist gut so. Wut mobilisiert, sie wärmt, sie verbindet, sie lässt uns laut werden, sie treibt uns an, neue Wege zu finden.
UND unter der Wut sitzt meistens noch etwas anderes, leiseres: Die Trauer über einen Verlust, den wir noch nicht richtig in Worte fassen können; die Trauer über ein Versprechen, das gebrochen wurde, die Trauer über eine Zukunft, für die wir gekämpft und auf die wir gebaut haben. Für all das gibt es im Projekte-Alltag selten Raum. Der nächste Antrag wartet, die nächste Sitzung, die nächste Idee.
In diesem SOCIUS labor wollen wir genau diesen Raum schaffen und gemeinsam innehalten.
Wir gehen nicht davon aus, dass Trauer verarbeitet werden muss, um sie hinter uns zu lassen. Wir glauben, dass sie integriert werden will – dass sie einen Ort braucht, Beachtung, Gemeinschaft, Akzeptanz. Trauer gehört zu uns. Auch die kollektive.
Unsere Fragen für dieses Labor: Wie können wir das, was hinter der Wut liegt, so in unseren Alltag integrieren, dass es uns langfristig nicht schwächt – sondern trägt? Und wie gestalten wir Räume für kollektive Trauer, die stärken statt lähmen?
Wir kommen nicht mit fertigen Antworten. Wir legen diese Fragen in die Mitte – und erforschen sie gemeinsam. Wir haben ein paar Ideen und Ansätze, die wir gerne mit in die Mitte legen.