
oe-tag 2025 in Halle/Saale
13. Juni 2025, 9:30 - 18:30
€195

Der Mauerfall und die Wiedervereinigung jähren sich 2024-2025 zum 35. Mal. Mit diesem zeitlichen Abstand scheinen die Auseinandersetzungen und Debatten in jüngerer Zeit nochmal an Dynamik, Tiefgang und Komplexität zu gewinnen. Die Unterschiede zwischen “Ost” und “West” treten dabei deutlich sichtbar zutage oder sitzen implizit in individuellen Geschichten. Auch in der Begleitung von Organisationen beschäftigt uns dieses Thema. Wir erleben immer wieder Momente von Nichtbesprechbarkeit und Unverständnis. Und so wollen wir uns und euch einladen, gemeinsam einen Tag lang den Fokus auf die eigenen Erfahrungen und Narrative von “Ost” und “West” im Kontext von Organisationen zu legen und sich der dialogischen Spurensuche zu widmen.
Was bedeuten west- und ostdeutsche Prägungen in Bezug auf Berufsbiographien, Transformationserfahrungen, Organisationskulturen, Macht- und Rangdynamiken, Kommunikation und gegenseitiges Verständnis?
An der Oberfläche gibt es Unterschiede in Tarifverträgen und Lohnniveaus, in der Lebenserwartung und in der Vermögens- und Spitzenpositionenverteilung. Gehen wir eine Ebene tiefer, stoßen wir auf Erklärungen wie biographische Brüche, Unterschiede in Ausbildungschancen und -entscheidungen, gesellschaftlich und biographisch geprägte Erwartungen und Bewertungen von Führungsrollen und -verhalten, aber auch “Selbstrekrutierungstendenzen” in Führungsetagen, die von Menschen mit Westbiographien besetzt sind.

Wo begegnen uns heute die Unterschiede in unserem Arbeitsalltag in Organisationen? Tappen wir beim Interpretieren vielleicht zu schnell in die Falle, auf Aspekte von Abgrenzung, Anders- und Fremdartigkeit zu fokussieren und klischeehafte Zuschreibungen vorzunehmen?
“Der Osten” und “der Westen” sind deutlich vielfältiger, als oft plakativ dargestellt. Gleichzeitig erleben wir, dass die unterschiedlichen historisch bedingten Erfahrungshintergründe zwischen “Ost” und “West” tiefergehender und wirkmächtiger sind als andere regional bedingte Unterschiede innerhalb Deutschlands.

Wo sind uns bisher welche Erscheinungen aufgefallen und wann haben wir sie als Ost-West-Muster interpretiert? Welche Erfahrungen gibt es damit, Unterschiede von Perspektiven, Sozialisation, Werten, aber auch erlebten Privilegien oder Benachteiligungen zu thematisieren? Wo haben wir diese als verstörend und wo als bereichernd erlebt?
Gemeinsam mit den Teilnehmenden des oe-tags 2025 wollen wir einen Dialograum schaffen, in dem wir uns mit Neugier, Offenheit und von persönlichen Erfahrungen geleitet begegnen, zuhören und unsere jeweiligen Perspektiven erweitern. Wir wollen erkunden, welche Pfade dieser fokussierte Blick auf unsere Organisations- und Arbeitswelt eröffnet und vielleicht sogar gesellschaftlich Ideen eines gemeinsamen dritten Raumes erschließt.
Ticketpreise
Standard 195,00 €
Ermäßigt 140,00 €
Soli-Ticket 260,00 €
Der Ticketverkauf geht über Eventbrite.
Ort
Bildungshaus Riesenklein, Hoher Weg 4, 06120 Halle/Saale


Kinderbetreuung
Wenn du Bedarf an Kinderbetreuung für den Tag hast, lass es uns bitte wissen und wir finden eine gemeinsame Lösung.
Workshops
Diese Rubrik wird in den nächsten Tagen und Wochen stetig wachsen – es lohnt sich immer mal wieder vorbei zu schauen.
„Generation Z(ukunft) Ost – Neue Perspektiven auf ostdeutsche Identitäten“
Die Debatte um Ostdeutschland ist geprägt von Generationen, die vor 1995 geboren sind. Doch wie fühlen sich junge Menschen in Ostdeutschland heute? Welche Erfahrungen prägen die Generation Z und warum befassen sie sich mit ihrer ostdeutschen Herkunft? Mit dem Workshop beleuchten wir genau diese Fragen – und öffnen damit den Raum für mehr: einen Dialog über Generationen hinweg, der neue Perspektiven auf ostdeutsche Identitäten ermöglicht und so Brücken zwischen verschiedenen Lebensrealitäten baut.

Lisa Trebs
Lisa Trebs (*1997) geboren und aufgewachsen südlich von Leipzig, wohnt heute in Bonn. Sie studierte Kulturwissenschaften und Internationale Politik (BA) sowie Entwicklungsstudien (MA) in Dänemark, Frankreich, Südkorea und Großbritannien. Ihre ostdeutsche Identität hat sie erst durch Erfahrungen außerhalb des Ostens entdeckt und daraus den Wunsch entwickelt, andere Perspektiven auf den Osten zu prägen. Gemeinsam mit Vanessa Beyer hat sie „(K)Einheit“ im Jahr 2022 als Filmprojekt ins Leben gerufen. Inzwischen setzt sie sich mit der Initiative dafür ein, junge ostdeutsche Stimmen sichtbar zu machen.
Heimat ist mehr als ein Ort: Kindheitswelten zwischen Ost und West
Wie haben wir Heimat oder Heimatlosigkeit erlebt – als Kinder im Osten oder Westen? Dieser Workshop erkundet, wie ideologische Systeme, Erziehung und Zeitgeist unser Aufwachsen geprägt haben. Welche Werte und Denkweisen begleiten uns bis heute? Wie beeinflussten Strukturen unser Leben – von der Krippe bis zur Familie, von Schule bis Sport? Mit Methoden des Psychodramas reflektieren wir unsere eigene Geschichte – bewegt, spielerisch und lebendig. Im Dialog über Ost- und Westprägungen, Brüche und Veränderungen entsteht Raum für persönliche Entdeckungen und neue Perspektiven. So verstehen wir besser, wie wir wurden, wer wir sind, und schaffen Verbindungen zwischen verschiedenen Erfahrungen.

Lykke Langer
Was sind die Geschichten hinter den Geschichten, die wir uns erzählen? Das, was nicht ausgesprochen wird, vielleicht nicht ausgesprochen werden kann? Lykke Langers Arbeit dreht sich um die behutsame Offenlegung dieser feinen Essenz, um Kommunikation und Verständigung möglich zu machen. Sie kommt aus Leipzig und arbeitet als Performerin, Regisseurin und Autorin für Theater und Hörfunk, zuletzt entstand die Produktion „WINTERKIND – Made in GDR“., in der sie von ihrem Aufwachsen in der DDR erzählt. In den letzten Jahren hat Lykke die spielerische, lebendige und tiefe Arbeit mit Gruppen lieben gelernt, hier verbinden sich ihre Erfahrungen aus Theater und Gewaltfreier Kommunikation mit ihrer Psychodrama-Arbeit.
Ost-West-Dialog – ein gemeinsamer Schreibversuch
Welche Spuren der Teilung wirken bis heute in Organisationen, aber auch in unserer eigenen Biografie nach? Welche teilungsbedingten kulturellen Unterschiede können wir auch heute noch in Organisationskulturen beobachten? Dieser kreative Schreibworkshop bietet Raum, um durch eine Ost-West-Brille auf unsere persönlichen Erfahrungen zu schauen. Durch angeleitete Schreibimpulse und Reflexionen setzen wir uns mit anderen Perspektiven auseinander und erkunden, wie die Geschichte weiterwirkt – in uns selbst, in unseren Teams und in gesellschaftlichen Strukturen. Schreiben eröffnet hier einen Raum, um Erfahrungen zu teilen, neue Einsichten zu gewinnen und vor allem: Miteinander im Dialog zu bleiben. Ob mit vielen oder wenigen Berührungspunkten zur Thematik – dieser Workshop bietet einen kreativen Zugang, um Ost-West-Erfahrungen zu reflektieren und in den Austausch zu treten.

Jasmin Brückner
Jasmin Brückner lebt, schreibt und arbeitet in Halle an der Saale. Dort ist sie freischaffende Spoken Word Künstlerin, Texterin und Workshopleiterin für Biografisches und Kreatives Schreiben. Seit 2017 steht sie auf Kleinkunst- und Poetry Slam Bühnen und teilt Spoken Word Texte über Großartiges und Feinfühliges, Weltschmerz und die eigene Unfähigkeit, einen Eimer Wandfarbe auf einem Fahrradgepäckträger transportieren zu können.
Dass sie ostdeutsch ist, hat sie erst mit ihrem ersten großen Umzug in den „Westen“ festgestellt. Seitdem beschäftigt sie nochmal ein anderer Blick auf ihre Herkunft und die Biografien der Menschen dort. Nebenbei engagiert sie sich in der Jugendarbeit im Erzgebirge, indem sie junge Menschen in Workshops in den Bereichen Kreatives Schreiben und Spoken Word unterrichtet.
Ost und West in Führung und Organisation – Muster, Dynamiken und Dialogräume gestalten
Wie prägen ost- und westdeutsche Erfahrungen Organisationen – besonders Führung, Entscheidungen und Kultur? Welche unbewussten Dynamiken beeinflussen Zusammenarbeit und Kommunikation?
In diesem Workshop erkunden wir, wie Ost-West-Erfahrungen den organisationalen Kontext formen und unsere Beratungspraxis beeinflussen. Wir nutzen das Dialogformat „Sprechen und Zuhören“, das Erfahrungswissen sichtbar macht und echte Verständigung ermöglicht.
Teilnehmende reflektieren ihre Erfahrungen, erleben das Format praktisch und erhalten Impulse für ihre Arbeit. Wie kann es helfen, sensible Themen zu besprechen und tiefere Dynamiken in Teams und Führung sichtbar zu machen? Ein Wechsel aus Dialog, Reflexion und Austausch schafft Raum für neue Perspektiven und methodische Inspiration.

Katharina Göring
Katharina Göring erforscht seit Jahren sichtbare und unsichtbare Ost-West-Dynamiken in unserer Gesellschaft. Als Wendekind und Mitgründerin des Vereins „3te Generation Ost“ engagiert sie sich für den Dialog über Prägungen der Teilung und Wiedervereinigung. In Leipzig gründete sie die Initiative OSTWES(T)RÄUME, die individuelle und kollektive Erfahrungen aufarbeitet.
Als systemische Organisationsberaterin begleitet sie Teams und Führungskräfte in Veränderungsprozessen, oft im Kontext digitaler Transformation. Sie setzt auf dialogische Methoden, um Verständigung und neue Perspektiven zu ermöglichen. In diesem Workshop verbindet sie ihre Beratungserfahrung mit der Einladung, Ost-West-Dynamiken analytisch und dialogisch zu erkunden
Alle weiteren Infos zum Programm werden hier im Laufe der Zeit ergänzt und sind auch über den SOCIUS brief zu erhalten.