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SOCIUS.Blog

Der oe-tag 2019– feelings@work wurde von Ralph Piotrowski mit einer 20min Keynote zum Thema Emotionale Transformation eröffnet. Aufgrund der Tonqualität empfehlen wir die Untertitel zuzuschalten. Unterhalb des Videos finden Sie auch die vollständige Transkription.

 

Ralph Piotrowski ist seit 2009 Teil des SOCIUS Teams und arbeitet dort viel zu Selbstorganisation und NewWork. Mit Emotionen beschäftigt er sich auch intensiv in seiner Tätigkeit als Paartherapeut.

Die im Vortrag verwendeten Graphiken können Sie hier runterladen.

Den Link zur Webseite des oe-tages 2019 finden sie hier.

 

Transkription der Keynote:

Emotionen. Emotionen sind in der traditionellen Arbeitswelt so etwas wie die ungeliebte Verwandtschaft, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit vorbeikommt. Viele junge Leute und viele Menschen wie ihr haben keine Lust mehr in traditionellen Arbeitskontexten zu leben, wo sie einen Teil Ihres Lebens abschneiden müssen, Teile ihrer Energie verlieren und deswegen sind wir gemeinsam auf der Suche danach neue Organisationsformen zu bauen.

(Mikrowechsel)

Warum sind wir auf der Suche nach neuen Organisationsformen. Einerseits natürlich, weil wir hoffen, dass wir unsere Organisationsziele noch besser erreichen, andererseits auch geht es mit der Annahme einher, dass es da draußen neue Herausforderungen gibt. Stichworte sind hier die VUCA – die Welt ist also volatiler, komplexer, wo wir andere Formen des Zusammenarbeitens brauchen, um bessere Antworten zu finden. Aber auch, um Organisationsformen zu finden, die uns gut tun, die menschengerechter sind, in die wir unsere Energie voll einbringen können. Die Stichworte hierfür sind bekannt von Soziokratie bis Holakratie, die ganze Diskussion über New Work. Es gibt eine ganze Tradition von Bewegungen, die versucht haben, anders mit Emotionen umzugehen, aber bisher noch nicht in den Mainstream gekommen sind.

Ich würde gerne einen kurzen theoretischen Input geben, ich habe im Vorfeld mit den Kolleg*innen und Referent*innen ein bisschen ausgetauscht und die Frage gestellt, was kommt euch in den Sinn, was versteht ihr unter Emotionen und wo begegnen euch Emotionen in der Arbeitswelt? Und das Spektrum war natürlich groß. Von Antworten wie Emotionen sind so was wie Seismographen für Bedürfnisse, so etwas wie, dass wir ein subtileres Sensorium entwickeln müssen, wie geht es uns mit unserer Steuerungsfähigkeit bis hin zu gesellschaftspolitischeren kritischeren Ansätzen, die Angst vor Emotionalisierung von Diskursen haben. Die Erfahrung, die wir gerade machen, dass Diskurse irgendwie von Rechtspopulisten belegt werden, dass Metaphern belegt werden, dass Bilder belegt werden, dass dies so eine emotionale Stimmung in uns erzeugt, die Angst schürt und Menschen in eine Handlungstendenz drängt.

Was sind Emotionen?

Emotionen werden unterschieden häufig auch in Abgrenzung zu Gefühlen und Stimmungen, das ist eine typische Differenzierung, dass Stimmungen etwas Langwierigeres sind, sie gehen nicht so schnell weg, sind eine Grundstimmung, eine Grundtendenz. Und ein Gefühl, das schnell hochkommt und an der Oberfläche ist. Das kann man dann auch unterscheiden zu Körperempfinden. Und das Körperempfinden dann z. B. abgrenzen zu Sinneswahrnehmung. Und eine spannende Frage, die Christian gestellt hat, ist was ist eigentlich der Unterschied zu Intuition. Was ist Intuition und wie unterscheidet man das?

 

Ich will hier eine Sichtweise auf Emotionen vorschlagen, die mehr das organismische Erleben als solches thematisiert und nicht zwischen Gefühlen und Stimmungen differenziert, es geht um die Gesamterfahrung und Ausgangspunkt ist eine evolutionäre Sicht auf Emotionen. Emotionen werden hier gesehen als teilautomatische Bewertungssysteme einer Situation, die mit einer gewissen Handlungstendenz einhergehen. Also teilautomatisch festlegen. Wenn uns gewisse Dinge entgegentreten, passieren automatisch gewisse Abläufe in uns. Das ist nicht komplett automatisch, sondern eben teilautomatisch und das, was mit uns passiert, bringt uns in eine Handlungstendenz.

 

Das Bekannteste hier ist der fight und flight Mechanismus, Angriff oder Flucht. Und der Hintergrund, warum sich das in der Evolution durchgesetzt hat, ist, wenn es darauf ankommt, wir schneller reagieren können, die Emotionen uns sofort in eine Handlungstendenz bringen. Jetzt kann das für die Situation stimmig sein, wir erleben aber auch oft, dass wir in irgendwelchen Emotionen sind, die für die Situation nicht so super hilfreich sind. Und das hat damit zu tun, dass es in der heutigen Zeit selten darauf ankommt (schnell reagieren zu müssen). Gleichzeitig gibt es – und das wollen wir gleich weiter ausdifferenzieren – unterschiedliche Formen von Emotionen, die unterschiedliche Ursachen haben.

 

 

 

Die Hauptthese, die ich hier vertrete, ist „Manchmal hören wir zu wenig auf unsere Emotionen“ das ist die ganze Tradition der Achtsamkeit, wo es darum geht einzuüben, wir brauchen ein feineres Sensorium um wahrzunehmen, was in uns geschieht. „Und manchmal hören wir zu viel auf uns“. Manchmal lassen wir uns von unseren Emotionen mitreißen und im Nachhinein ist es dann nicht so hilfreich gewesen.

3 Formen von Emotionen

Und was bedeutet das dann für emotionale Kompetenz? Eine gewisse Differenzierungsfähigkeit, wo wir uns befinden. Ein Vorschlag hierfür, der aus der emotionsfokussierten Therapie entlehnt ist, aber ein etwas vereinfachtes Modell ist, weil es in der emotionsfokussierten Therapie weitergehende Unterscheidung gibt. Ist zu unterscheiden zwischen primären Emotionen, sekundären Emotionen und instrumentellen Emotionen.

 

Primäre Emotionen

 

Primäre Emotionen, sind die, die total stimmig sind, die im Hier und Jetzt stattfinden. Z. B. es kommt etwas auf uns zu, ich erlebe vielleicht eine Grenzüberschreitung, ich bin wütend und ich bin ärgerlich und die Wut und der Ärger hilft mir Grenzen zu setzen. Das Besondere daran ist, dass wenn ich die Emotionen ausleben kann, sie auch komplett wieder verschwinden, dass ich sie komplett ausdrücken kann und dass die Energie fließt.

 

Ein Indikator von emotionaler Kompetenz oder von gesundem emotionalem Erleben ist auch fluide sein zu können im Wechsel der Emotionen. Also nicht zu sagen, es gibt eine schlechte Emotion und es gibt eine gute Emotion, sondern einfach die Zustände unblockiert wechseln zu können.

 

Sekundäre Emotionen

 

Nun gelingt uns das aber nicht immer, wir sind in Kontexten gewesen in der Schule und auch in Unternehmen, wo wir diese Emotionen nicht ausdrücken konnten, was dann passieren kann, ist, dass sich ein emotionaler Rucksack bildet, dass wir die Emotionen im Körper vielleicht speichern, dass wir die Emotionen in Gedanken umwandeln, dass wir Glaubenssätze haben oder dass wir auf Erfahrungen aus der Vergangenheit reagieren. Das wären dann so etwas wie sekundäre Emotionen.

 

Ein Beispiel hierfür wäre, das mir kürzlich passiert ist, ich bin von einem Tagesauftrag zurückgekommen und war mit meiner Frau Anne verabredet. Und hatte mir das so schön vorgestellt, wie sie am Bahnhof steht, ich weiß gar nicht, was ich mir vorgestellt habe, ich habe mir irgendetwas vorgestellt, offensichtlich, dass sie mit verliebten Augen schon Hufe scharrend am Bahnsteig steht, habe mir das ausgemalt, dass es eine total schöne Situation werden wird. Ich sehe sie schon aus dem Fenster und sie telefoniert mit jemand anderem und hat mit jemand anderem Spaß. Und in dem Moment – und ich kann ja nur spekulieren – irgendeine Emotion kam hoch, von früher, nicht genug beachtet zu werden oder was weiß ich. Bis ich dann draußen war, hat Anne schon längst aufgelegt und ich hatte noch mit meiner Emotion zu kämpfen, die mich in dem Moment überwältigt hat. Und das sind Mechanismen, mit denen wir umgehen müssen. In diesem Moment ist mir das ganz gut gelungen, wieder einzufangen, aber ich erinnere mich an genug Beispiele in meinem Leben, wo es mir das nicht so gut gelungen ist. Wo ich in dieser Emotion verhaftet blieb. Ich hatte mir explizit vorgenommen ein schönes Willkommen zu haben. Und das sind sekundäre Emotionen, die dann auftauchen, die nichts mit der Situation zu tun haben. Überhaupt nichts.

 

Instrumentelle Emotionen

 

Und einen dritten Typus von Emotionen sind instrumentelle Emotionen, das sind sowas wie Krokodilstränen weinen, wo wir so einen bewussten oder unbewussten Manipulationsimpuls haben. Wo wir irgendwann in der Vergangenheit gelernt haben, wenn wir diese Emotion zur Schau stellen, dann bekomme ich ein Ergebnis, das ich gut finde. Und wie gesagt, das muss uns gar nicht bewusst sein, das ist irgendwas, was wir gelernt haben, was sich für uns in dem Moment normal anfühlt.

Emotionen im Arbeitsalltag

Dann Umgang mit Emotionen in professionellen Kontexten. Im traditionellen Mainstream spielen Emotionen eine sehr kleine Rolle. Sie spielen schon eine Rolle, wenn man in den Bereich des Marketings reinschaut, man hat sich immer schon gefragt, „in welche emotionalen Zustände muss ich Menschen bringen, um ihnen Dinge zu verkaufen“. Auch in der ganzen Diskussion um Motivation: wie motiviere ich Menschen?

Aber eigentlich ist es das, was wir vorhin gesagt haben, Emotionen sind hier das Schmuddelkind, mit denen wir nichts zu tun haben wollen, wir wollen lieber rational sein und Emotionen wegschieben. Weil Emotionen funken uns dazwischen und wenn wir uns damit beschäftigen und in die Tiefe reingehen, dann ist das viel zu kompliziert und wenn das schief geht, dann wird es noch viel schlimmer. Also werden Emotionen hier eher weggedrückt.

Und was macht das mit uns? Es gibt ja auch Situationen, da ist das sogar kurzfristig funktional, aber die Gefahr ist immer, dass wir unseren emotionalen Rucksack sehr stark aufbauen und das uns an anderer Stelle wieder dazwischenfunkt. Das viele Konflikte viel langfristiger sind als sie sein müssen, dass wir nicht in die positive Energie reinkommen, nicht in die Kreativität wie wir sie eigentlich haben wollen.

 

Dann, im aktuellen Diskurs (um New Work) wird versucht einen aktiveren Umgang mit Emotionen zu pflegen, einen bewussteren Umgang mit Emotionen zu haben. Wir sind alle auf der Suche nach irgendwelchen Tools, nach irgendwelchen Dingen wie wir Emotionen in den Arbeitsalltag integrieren können. Und Energien sollen hier zum Fließen gebracht werden. Viele sagen auch, wenn wir vollständig da sind, dann haben wir auch ein ganz anderes Miteinander und einen ganz anderen Modus des Zusammenarbeitens.

 

Und zukünftig sind wir vielleicht mal – was weiß ich in 100 Jahren – in einer Welt, in der wir Emotionen so gut integriert haben, dass wir kaum noch mit unserem emotionalen Rucksack zu kämpfen haben, dass wir vor allem mit unseren primären Emotionen unterwegs sind, dass wir Räume haben, in denen wir Emotionen ausleben können und wir zusammen in einen schönen energetischen Fluss gibt.

 

Emotionen und Selbstorganisation

 

Dann ist derzeit ein großer Trend der Weg zur Selbstorganisation. Und Selbstorganisation geht einher mit der Fantasie, mit der Forderung, mit der Hoffnung auf andere emotionale Kompetenzen und ein Bild, das wir dafür gerne verwenden, ist, dass es in traditionellen Organisationen noch einen festen Rahmen gibt, da gibt es eine Struktur und diese Struktur hat auch eine bestimmte Funktion. Das ist eine gute Funktion, sie stellt Sicherheit her, sie stellt eine Handlungsorientierung sicher und teilweise dient sie auch zur Motivation von Menschen. Das leistet sie normalerweise. Motivation vielleicht nicht unbedingt auf die beste Art und Weise, aber die Menschen kommen zumindest zur Arbeit.

Dann, wenn wir den Weg hin zur Selbstorganisation gehen, dann haben wir eher so etwas wie eine Spielfeldbegrenzung und die Funktion, die eine äußere Struktur wahrgenommen hat, die muss an einer anderen Stelle wahrgenommen werden. Von daher rührt die Vorstellung, dass diese Funktionen von einer inneren Struktur her übernommen werden kann. Und dass diese Funktion besser übernommen werden kann als sie die äußere Funktion leisten kann. Aber es ist eben nicht so einfach Sicherheit, Motivation, Handlungsorientierung aus sich selbst zu schöpfen, wenn man das nicht eingeübt hat. Und das ist die Reise, auf der wir alle gemeinsam sind, dafür Strukturen zu finden, dafür Methoden zu finden, das gemeinsam zu lernen.

New Work: Verheißung oder Anforderung?

Und gleichzeitig ist das immer ein bisschen so ein schmaler Grat. Also wenn man das in ein Vokabular fasst von „Das ist Selbstentfaltung, es geht um Verbundenheit in der Welt“ dann geht uns das Herz auf. Wenn wir aber von „emotionaler Fitness“ reden, von „emotionaler Agilität“, wenn das zu einer Forderung wird, ich muss jetzt ins emotionale Fitnessstudio gehen, um den Anforderungen dieser Welt gerecht zu werden. Was mache ich denn, wenn ich die inneren Strukturen nicht zur Verfügung habe? Was mache ich denn, wenn die äußere Struktur mich verlässt? Dann fühle ich mich vielleicht verloren.

Während unserer Vorbesprechung hatten wir einen schönen Gedanken: Eine Organisation, die versucht, das einzufordern, im Gegensatz zu einer Organisation, die das Thema als gemeinsames Lernfeld angeht. Was würden denn da Unterschiedliches in der einer Stellenausschreibung stehen?

Im ersten Fall würde vielleicht so etwas drinstehen wie „Wir brauchen jemanden der teamfähig ist, wir brauchen jemanden, die emotional fluide ist“ und da kommt es wie eine Anforderung daher. Du musst emotional kompetent sein, um bei uns arbeiten zu können. Und wenn du das nicht bist, dann musst du in ein Trainingslager, dann kannst du in drei GFK-Workshops gehen und dann musst du kompetent sein.

Und im zweiten Fall würde in der Stellenausschreibung so etwas drinstehen wie die Bereitschaft, sich mit sich selber auseinanderzusetzen, die Bereitschaft, sich mit uns in einen Lernraum zu begeben. Ich glaube, das muss schon da sein. Die innere Bereitschaft zu sagen, ok, darauf habe ich Lust. Und ich habe auch Lust auf Momente, die nicht so lustig sind. Was heißt hier Lust, Persönlichkeitsentwicklung heißt auch immer ein stückweit aus der Komfortzone herauszugehen. Das ist der Unterschied zwischen „Ich muss das machen“ oder „Ich kann das machen, ich will das machen“. Und ich kann mich auch zurückziehen. Hier in diesem Bereich ist es auch ganz wichtig, dass die Menschen die Erlaubnis haben, nicht mitzumachen. Auch mal zu sagen „Nee, ich will mich gerade nicht zeigen. Das ist mir gerade zu verletzlich.“ Dass das auf Freiwilligkeit beruht.

 

Emotionen in der Organisationsentwicklung: Vier Lernfelder.

Lernfeld 1: Das Potential von Emotionen nutzen

Dann, was heißt das für die Organisationsentwicklung? Wir haben unterschiedliche Lernfelder identifiziert. Das erste ist, Räume zu schaffen, das Potential von Emotionen zu nutzen. Eine gemeinsame Sprache zu finden. Emotionen wahrnehmen zu können und anschlussfähig ausdrücken zu können. Auf eine Art und Weise, die uns auch in Kontakt bringt. Erich Fromm hat einmal gesagt, dass Menschen sehr dazu neigen, über Emotionen zu sprechen und sehr wenig dazu, die eigenen Emotionen zu fühlen. Und dass wir Räume in Organisationen schaffen, um gemeinsam zu fühlen.

Wir hatten kürzlich ein Labor zu dem Thema Trauer in Organisationen. Und es könnte zum Beispiel darum gehen, heilsame Räume zu schaffen, wo wir gemeinsam fühlen und wo wir uns gegenseitig hören und uns verstanden fühlen.

  Und was da im Kern passiert ist, dass wir Vertrauen einüben. Vertrauen darauf, dass, wenn wir uns verletzlich zeigen, dass es zumindest langfristig einen Umgang damit gibt. Es gehört auch dazu – wir haben ja alle diesen emotionalen Rucksack – es wäre naiv zu sagen, wir zeigen uns verletzlich, wir können darauf vertrauen, dass diese Verletzlichkeit nicht wieder an irgendeinem Punkt – missbraucht ist vielleicht zu viel gesagt – aber es wird passieren, dass wir verletzlich sind und wir uns gegenseitig weh tun. Aber dann zumindest wieder in Kontakt gehen und darauf zu vertrauen, dass es einen Prozess gibt, der das auch wieder aufnehmen kann. Dass wir uns gegenseitig in die Augen schauen und sagen, dass ist die gemeinsame Reise, die wir machen. Das ist der Weg, den wir gehen.

Lernfeld 2: Der Umgang mit unserem emotionalen Rucksack
Dann Umgang mit Emotionen, dieser Rucksack, Emotionen im Alltag. Wenn wir unsere eigenen Emotionen nicht als sonderlich hilfreich erleben, wenn wir die Emotionen der anderen nicht als sonderlich hilfreich erleben, dafür Räume zu schaffen, definitiv in Teammeetings, in Konflikten, und was wir da tun können, ist Haltungen zu fördern. In Teamsupervisionen sind das häufig Prozesse, für die man etwas länger Zeit braucht. Und eine Haltung, ein Begriff, den wir häufig verwenden ist „Neugier statt Empörung“. Immer wieder einzuüben mit Neugier auf den Anderen zu schauen, mit Neugier zu schauen, was steht dahinter, was sind die Ausdrucksformen und was sind die dahinter liegenden Bedürfnisse.

Lernfeld 3: Emotionen transformieren

Dann Emotionen transformieren. Zum Einen diese Vorstellungen – sei es, dass wir das bewusst machen oder unbewusst machen – dass wir nicht nur damit beschäftigt sind kognitiv unterwegs zu sein, sondern dass sich auch natürlich irgendwelche Dinge in der Gruppe (emotional) verändern. Wenn wir zum Beispiel auf ressourcenorientiertes Arbeiten schauen, was jede*r von uns bestimmt schon gemacht hat, dann hat das ja diese Komponente von, ok, ich vergesse auch bestimmte Ressourcen nicht, die ich habe. Also etwas kognitives. Was ja eigentlich auch passiert, Hypnotherapeuten würden das so fassen, dass wir eine Gruppe von einer Problemtrance in eine lösungsorientierte Trance bringen, dass sich physiologisch auch etwas ändert. Wir hatten das kürzlich. Allein dieser Fokus (auf Emotionen) auch wenn man denkt man macht das Gleiche – so habe ich das erlebt – allein wenn ich den Fokus habe, es geht auch darum, die Gruppe auch in eine Emotion zu bringen, macht es mit der Gruppe etwas anderes als wenn ich denke, ich schreibe nur die Ressourcen auf, die uns gerade einfallen.

Lernfeld 4: Bewusster Umgang mit zu erwartenden Emotionen

Und Umgang mit zu erwartenden Emotionen, Reaktionen in besonderen Situationen. Was ich damit meine ist, dass es bestimmte Prozesse gibt, in denen bestimmte Emotionen wahrscheinlich werden. In Change Prozessen gibt es z. B. unterschiedliche Kurven, an welcher Stelle welche Emotionen auftreten. Und ich glaube, auch da können wir noch ein viel ausgefeilteres Instrumentarium entwickeln. Und heutzutage sind viele ständig in prekären Arbeitsverhältnissen oder in kurzfristigen Arbeitsverhältnissen, z. B. in Universitäten. Wenn wir mit Universitäten zusammenarbeiten, wissen viele nicht, wann ihr Vertrag verlängert wird. Und die ganze Zeit ist Unsicherheit ein Thema. Letztendlich geht es darum zu lernen, Unsicherheit zu ertragen. Wir wissen oft, es gibt Strukturen, die werden bestimmte Emotionen hervorrufen und wie können wir damit umgehen. Wir haben alle gemeinsam viele solcher Instrumentarien entwickelt. Viele Tools und Praktiken, die entweder dazu da sind, mit Emotionen umzugehen oder Emotionen hervorzurufen. Wenn wir z. B. in Organisationen sind, die gemeinsam ihr Gehalt aushandeln, werden ganz andere Emotionen aktiviert als wenn man sein Gehalt automatisch bekommt. Und wir kennen alle unterschiedliche Tools. Vielleicht gelingt es uns im Laufe des Tages weitere Tools zu sammeln und uns auszutauschen, was wir gerne machen, um gegenseitig Anregungen zu bekommen.

Praxisbeispiele

Und drei Sachen, die wir gerne machen – das kennt ihr vom oe-tag – das ist z. B. eine Minute Stille, das ist nur so etwas ganz kleines, damit haben wir vor zwei Jahren den oe-tag begonnen. Wenn man das z. B. bei Teammeetings macht, sich diese Zeit zu nehmen, sich zu fokussieren, dann macht das einen riesigen Unterschied. Und das spannende ist, dass wir das alle wissen, wir haben das alle positiv erfahren und trotzdem verläuft sich diese Praxis bei uns. Und es ist ein spannendes Thema, wie wir diese Praxis aufrechterhalten können. Und ich habe mir z. B. vorgenommen, dass wir das wieder machen.

Ein zweites Tool, das wir häufig verwenden ist, unser sogenanntes Emo-Board. Wir legen einfach bestimmte Emotionen auf dem Boden und entweder am Anfang, währenddessen oder am Ende die Menschen bitten, Figuren darauf zu positionieren, wie geht es euch gerade. Das ist ein bisschen wie ein iteratives Check-In. Aber dadurch, dass Emotionen vorgegeben werden, ist ein bisschen ziselierter. Und die Diskussionen, die da auftreten sind sehr spannend. Und natürlich kann auch jede*r eigene Emotionen ergänzen. Was ich hier besonders spannend fand ist, dass hier z. B. auch Scham benannt wurde, dass Scham hierdurch in diesem Kontext besprechbar wurde.

Und das Dritte ist – bei uns heißt das Führungskompass, Kommunikationskompass, das kann man auf ganz unterschiedliche Felder anwenden.

Aus dem Publikum: „Ich wollte kurz fragen, ob ihr die Slides danach zur Verfügung stellt oder nicht, weil hier alle fotografieren“. Ja, können wir gerne machen.

Und da geht es um vier Ebenen, die euch wahrscheinlich alle vertraut sind. Da geht es darum, wo kann ich hinschauen, wenn irgendetwas nicht so läuft, wo kann ich hinschauen, wenn ich will, dass irgendetwas läuft. Das eine ist die Beziehung zu mir selber, der Bereich der Selbstfürsorge, der Bereich der Bedürfnisse, der Selbstklärung, der Bereich, dass ich auch meine eigenen sekundären Emotionen wahrnehme. Dann: was passiert in mir im direkten Kontakt, dafür ein Bewusstsein zu entwickeln, den Bereich der Verantwortung, der Response-Ability, kann ich auf die Situation eine Antwort finden. Dann: wie sind wir gemeinsam unterwegs, was sind unsere Absprachen, was ist unsere Kultur, was habe ich für eine Beziehung zur Organisation, wie bin ich dort beheimatet, wie geht es mir da und auch letztendlich wie geht es mir, wie fühle ich mich in der Umwelt beheimatet, was ist der übergeordnete Sinn?

Eine Sache, die mir eine Kollegin erzählt hat, das fand ich sehr schön, auch ein schönes Beispiel. Kerstin war das. Sie hat einer Gruppe die Frage gestellt, wie bekommen wir mehr Freude in die Organisation. Sie haben dann drei unterschiedliche Arbeitsgruppen gegründet. Die erste Arbeitsgruppe, war der Vorschlag, wir machen jetzt einen ganz langen Spaziergang. Ok, sie machten einen ganz langen Spaziergang. Zweite Arbeitsgruppe war, wir machen dynamisches Yoga. Ok, sie machten dynamisches Yoga. Die dritte Arbeitsgruppe, da hat eine Person vorgeschlagen, ich weiß noch nicht, aber wir machen einfach das, was uns Freude macht. Wir finden das dann raus. Was die Arbeitsgruppe dann gemacht hat, sie haben sich auf einen Steg gestellt und haben sich freudvoll ins Wasser plumpsen lassen. Und das fand ich so ein schönes Bild, dass ich uns diese Energie jetzt wünsche, dass wir uns genauso freudvoll uns in die anstehenden Mini-Lectures plumpsen lassen und mit dieser Freude genießen.

Vielen Dank.

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