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SOCIUS liest: Purpose Driven Organizations

SOCIUS liest: Purpose Driven Organizations

Franziska Fink, Michael Moeller (2018)

Purpose Driven Organizations

Wenn Berater*innen Bücher schreiben, kann man sich in der Regel auf zwei Dinge verlassen: erstens, sie haben fruchtige Praxis-Stories im Gepäck, und zweitens, sie verpacken ihre Inhalte aufgrund der natürlichen Zielgruppe „Busy Executives“ in handliche und vergleichsweise theoriezahme Häppchen. Purpose Driven Organizations läßt sich da etwas anders an: zwar sprechen Franziska Fink und Michael Moeller durchaus von ihrer Beratungspraxis, von forschenden Begegnungen mit Sinn-getriebenen Organisationen und von ihren eigenen Erfahrungen mit Holacracy bei der Beratergruppe Neuwaldegg; aber sie tun das im stringenten Theorie-Korsett und mit der sauberen Fundierung der Systemischen Organisationslehre Luhmannscher Prägung (was sich nicht zuletzt im imposanten Reference-Count zu Luhmanns Spätwerk „Organisation und Entscheidung“ spiegelt).

Im ersten, einführenden Teil des Buches wird der weite Rahmen zu „Welt, Sinn und Organisation“ aufgespannt. Die Urgency-Frage („Warum ist das Thema jetzt relevant?“) beantworten die Autor*innen – in fein schattierter Abgrenzung zum Entwicklungsphasen-Modell von Laloux, dem ein respektvoll kritisches Kapitel gewidmet ist – mit dem synchronen Pegel-Anstieg von Welt-Komplexität und individueller Sinnsuche. Beim Begriffs-Umriss wird deutlich, dass der Amerikanische „Purpose“ Diskurs sich nicht ohne Mühe ins Deutsche übersetzt: „Zweck“ ist in der Konnotation zu funktional, „Sinn“ mit seinen emotionalen und transzendentalen Facetten zu vieldeutig und diffus. Fink und Moeller halten es mit der Bedeutung „Seinszweck“ und geben die (doch eher diesseitige) Purpose Formel aus: „Unser Beitrag für diese Stakeholder, um jene Wirkung zu erzielen“.

Die systemische Brille kommt bei dem so romantisch anmutenden Thema zunächst wie ein Liebestöter daher: Wo Organisationen als Systeme von Entscheidungskommunikation gezeichnet werden, ist Purpose folgerichtig nichts weiter als ihre oberste Entscheidungsprämisse. Hierfür wird der Seinszweck in seiner kristallinen, gefertigten Form benötigt. Der emergente Prozess dialogischer Sinnstiftung im Untergrund (in der Dialogischen OE als „meaning-making“ bezeichnet) ist hier lediglich Begleitmusik oder im besten Fall Vorspiel.

Im zweiten Abschnitt geht es einen Schritt näher an den eigentlichen Gegenstand heran. Was den Idealtypus der Purpose Driven Organisation ausmacht, wird anhand von fünf Merkmalen, bzw. „Diziplinen“ aufgefaltet (der Begriff verweist darauf, dass Purpose Drive von Praktiken lebt, die gepflegt sein wollen):

 

  • Dominanter Purpose: Der Purpose – ausgedrückt in einem kompakten Statement – ist die ultimative Kompassnadel und wird in jedem Winkel des Organisationsgeschehens verankert. Auf darunterliegende Schichten langfristiger Planung und Budgetierung wird dagegen weitgehend verzichtet.
  • Kodifizierte Selbstorganisation: Autonome Steuerung und Selbstorganisation sind vom Prozess her klar formatiert, das Ergebnis dieser Prozesse bleibt dagegen programmatisch offen.
  • Ganzheitliche Partnerschaft: Purpose wird sowohl organisational als auch individuell in den Blick genommen. Personalarbeit hat dabei vor allem die Aufgabe, die beiden Ebenen aneinander andockfähig zu halten – Stichworte sind hier „Purpose Fit“ und „Purpose Beitrag“.
  • Superflexible Vertrauenskultur: Agilität und gegenseitiges Vertrauen bilden die Grundbausteine der Kultur Purpose getriebener Organisationen. Da Kultur nach Luhmann als „unentscheidbare Entscheidungsprämisse“ nicht direkt gestaltbar ist, geht es hier vor allem um Personal-Selektion und purpose-gerechte strukturelle Rahmung.
  • Co-Evolution im Ökosystem: Profunde Wirkung entsteht in komplexen Handlungsfeldern meist erst durch übergreifende Kooperation. Purpose hat dabei die Funktion einer weiter gezogenen Membran, die über die Grenzen der Organisation hinaus Akteure verbindet und ausrichtet.
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Nachweis:

Franziska Fink, Michael Moeller (2018): Purpose Driven Organizations, Schäffer-Poeschel, Stuttgart. 338 Seiten, gebunden ca. 40 EUR

Das Buch ist in weiten Passagen als Leseprobe auf der Seite https://www.neuwaldegg.at/dateien/1642_Purpose_Driven_Organizations_-_Leseprobe.pdf und auf der Plattform www.purpose-driven.world zu finden.

Teil Drei des Buches ist zwölf Inspirations-Portraits Purpose getriebener Organisationen gewidmet. Hier treffen wir alte Bekannte wie den dm-drogerie markt, soulbottles und das Getränke-Kollektiv PREMIUM wieder, aber auch neuere spannende Geschichten wie die der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, der BOSCH Power Tools und der Lieferbäckerei MÄRKISCHES LANDBROT. Die Beschreibungen sind kompakt und anregend, fokussieren allerdings deutlich aufs Gelingende (die Vermutung, dass nicht immer alles so einfach ist, drängt sich auf). Ob die magische Formel der fünf Disziplinen den Fallbeispielen (als zu illustrierendes Konzept) vor- oder (als Forschungsergebnis) nachgeordnet ist, bleibt dabei auf undramatische Weise vage.

Den letzten Abschnitt bildet eine umfassende Methodensammlung, die neben den „Systemlösungen“ Soziokratie, Holacracy und Soziokratie 3.0 diverse Werkzeuge zur Arbeit mit den im Untertitel des Buches verankerten Konzepten Sinn, Selbstorganisation und Agilität vorstellt. Auch hier findet sich Bekanntes neben neuen Tools und Handlungsansätzen, die jeweils anschaulich beschrieben und sauber referenziert sind. Schon die erste Methode, der Purpose Quest, stellt eine inspirierende intuitionsbasierte Variante der kollektiven Sinnsuche vor, für die sich die Vertiefung in diese Sammlung lohnt. Aber auch die weiteren rund 50 Regieanleitungen, etwa zur kollektiven Besetzung von Führungsrollen, zur Arbeit mit Organisationalen Glaubenssätzen oder zur Durchführung von Innovations Sprints geben gute Impulse für die Entwicklung sinn-orientierter flexibler Arbeitsformen.

Die vier Teile bilden ein rundes Ganzes, das für ganz unterschiedliche Bedarfe etwas zu bieten hat. Man muss das Buch nicht stringent von vorne bis hinten lesen, allerdings lohnt es sich – allemal wenn man noch nicht fließend Luhmann spricht – den ersten und zweiten Teil als Einheit zu rezipieren. Purpose Driven Organisations beschreibt keine ganz neuen Planeten, zeichnet aber am Diskurshimmel ein prägnantes neues Sternbild ein, mit dem sich gut arbeiten lässt. Das Buch zeigt zudem, dass die Suche nach sinnstiftendem Arbeiten in einer komplexen Welt aus ihrer wolkigen Traumphase herausfindet und in die geerdete, handwerkliche Phase des Designs einsteigt.

Gelesen und vorgestellt von Andreas Knoth.

SOCIUS liest: Worauf Kinder und Jugendliche ein Recht haben, Krappmann/Petry u.a.

SOCIUS liest: Worauf Kinder und Jugendliche ein Recht haben, Krappmann/Petry u.a.

In dem  300 Seiten starken Sammelwerk aus der Reihe KinderRechte werden in vier großen Abschnitten mit jeweils vier bis fünf Beiträgen verschiedene Aspekte für die Umsetzung der Kinderrechte in einer demokratischen Gesellschaft und Schule beleuchtet. Diese sind als Reaktionen auf und Beschäftigung mit dem Manifest des Wissenschaftlers Lothar Krappmann zu verstehen. Krappmann war am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und als Honorarprofessor tätig, bevor er 2007 Vorsitzender des Fachbeirates des Programms „Demokratie leben und lernen“ der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) wurde und ebenfalls Mitglied des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes war. 

Die knapp 20 Autor*innen des Sammelwerks sind allesamt Aktivisten* für Kinderrechte in der Schule, vor allem aus dem BLK-Programm „Demokratie leben und lernen“, das Anfang der 2000er Jahre lief und u.a. auch stabile Netzwerke für demokratische Entwicklung in Schulen hervorgebracht hat. 

„Kinderrechte sind Menschenrechte.“ So lautet der erste Satz des Manifests von Lothar Krappmann. Das liegt daran das Kinder Menschen sind, möchte man ihm zurufen! Das sollte nun keine Neuigkeit mehr sein im 21. Jahrhundert, will man meinen. Gleichwohl scheint es immer noch wesentlich und innovativ zu sein, auf die UN-Kinderrechtskonvention von 1992 hinzuweisen, wenn es um die Weiterentwicklung von Schule als Institution geht. Und dafür steht er ein: „Schulentwicklung auf der Basis der Kinderrecht ist keine Kopfgeburt.“ In 84 Paragrafen fächert er ein Manifest auf, das konsequent die Umsetzung der Kinderrechte in der Schule nicht nur fordert, sondern auch erklärt, wie es gehen kann. Die großen Überschriften des Manifests heißen: 

I. Bildung zur Gestaltung eines Lebens auf der Grundlage der Menschenrechte

II. Schule ist Schule der Kinder

III. Demokratische Schulkultur und Schulverfassung

Die dem Manifest folgenden vier großen Abschnitte tragen die Überschriften

I. Was im Argen liegt

II. Welche pädagogischen Aufgaben zu bearbeiten sind

III. Wo man praktisch ansetzen kann

IV. Partnerschaften für die Entwicklung einer kindergerechten Schule 

Und auch wenn sie sich in Ansprache und Tonfall hauptsächlich an Lehrkräfte und Schulleitungen sogenannter staatlicher Regelschulen wenden, können Mitarbeitende, Eltern und vor allem auch Jugendliche aller Schularten hier Inspiration bekommen, wie es um die Kinderrechte in Schulen bestellt sein kann und wer was beitragen kann, um sie weiter zu verankern und zu festigen. 

Jeder einzelne Beitrag in dem Buch wird mit einer halbseitigen Zusammenfassung „Worum es geht“ eingeführt. Das macht es für die Leser*innen leicht sich zu orientieren und gezielt nur spezifische Artikel zu lesen. So ist im Präludium zum Beitrag von Timo Reinfrank (Geschäftsführer der Amadeus Antonio Stiftung) „Kinderrechte als Instrument zur Prävention von Gruppen bezogener Menschenfeindlichkeit“ zu lesen: „Der Kampf um die Verwirklichung einer demokratischen Kultur in der Schule ist kein Nebenher-Projekt, jedoch eine Aufgabe, die Schule leisten muss und kann, wenn sie den Kindern die Erfahrung vermittelt, das sie gehört und in ihrer Eigenart gefördert werden, wie die Kinderrechte dies verlangen. Die kindergerechte Schule ist die beste Prävention gegen Herabwürdigung und Spaltung der Gesellschaft.“

Trotz der verschiedenen Autor*innen hat der*die Leser*in den Eindruck die Beiträge beziehen sich aufeinander und geben so einen umfangreichen Überblick zur Thematik, zumal auch jeder Beitrag einzeln stehen kann und verständlich bleibt. 

Das Manifest zu „Kinderrechte, Demokratie und Schule“ bearbeitet die Herausforderungen des Themas umfassend und kann – vielleicht zusammen mit dem Manifesto15 (https://manifesto15.org/de/) des US-amerikanischen Wissenschaftlers und Aktivist John Moravec – auch für Freie und Demokratische Schulen eine wertvolle Inspiration zur Weiterentwicklung demokratischer Schulkultur für Kinder, Jugendliche, Mitarbeitende und Eltern sein. 

Gelesen hat „Worauf Kinder und Jugendliche ein Recht haben – Kinderrechte, Demokratie und Schule: ein Manifest“ von Lothar Krappmann, Christian Petry u.a. für Euch Nicola Kriesel.

Zuerst ist diese Rezension im unerzogen-magazin 2/18 erschienen.

  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Debus Pädagogik (17. März 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3954140543
  • ISBN-13: 978-3954140541
SOCIUS liest: Der Biophilia Effekt, Clemens G. Arvay

SOCIUS liest: Der Biophilia Effekt, Clemens G. Arvay

Um was geht es in dem Buch?

Draußen in der Natur zu sein, hat entspannende, beruhigende Wirkungen, es erfreut die Menschen in der Regel. Der 38 jährige Biologe und Therapeut Clemens Arvay geht aber noch weiter und schreibt dem Wald Heilwirkungen zu, die sich auch wissenschaftlich beispielsweise durch ein verbessertes Blutbild nachweisen lassen. Er führt dabei Untersuchungen an, die schon in den siebziger Jahren in Krankenhäusern durchgeführt wurden und Patienten allein schon mit Blick auf Grün schneller genesen sind als diejenigen, die nur auf Wände schauen konnten. Auch neuere Forschungen beispielsweise wie Bäume miteinander kommunizieren (u.a. via Terpene) werden populärwissenschaftlich erläutert. Daneben werden ganz pragmatisch eine Vielzahl von Ansätzen – von Meditation bis Gartengestaltung erläutert, wie man die positiven Kräfte der Natur noch besser zu Heilzwecken nutzen kann. Obwohl die 253 Seiten in vier große Kapitel eingeteilt sind (Wirkung des Waldes, Historische Entwicklung, Medizin, Garten) besticht das Buch weniger mit einem logischen Aufbau als mit einer leichten, flotten Sprache und engagierten Fallbeispielen aus dem eigenen Entwicklungsgang des Autors und geführten Interviews.

Wem kann ich die Lektüre empfehlen?

Das Buch ist vermutlich für diejenigen gut, die sich gerne zu einem intensiveren Kontakt mit der „freien Natur“ ermuntern lassen wollen und neben der eigenen Intuition (emotionale Argumente) auch eine wissenschaftliche Begründbarkeit (rationale Argumente) schätzen. Allerdings Vorsicht: Das Buch ist nicht wirklich ein Forschungsbericht, sondern eher ein für die breite Leser*innenschaft geschriebener Lebensratgeber. Also eher für gutwillige Generalist*innen ein Genuß, die sich von der Masse der schnell dargelegten Fakten bewegen lassen können und weniger für diejenigen, die detaillierte Herleitungen und sachliche Schlüsse schätzen.

Was hat mich persönlich angesprochen?

Ich hatte das Buch als zweites Buch nach einer kommunikativen Auszeit von drei Monaten, gelesen. In diesen drei Monaten war ich mit Hund, Zelt und Kocher in der Natur auf Wanderschaft, ohne zu lesen, zu schreiben oder Gespräche zu führen. Ich war also nach meiner Informations-Abstinenz von der Lektüre sehr angetan und mir hat vieles in dem Buch auch meine eigenen Reaktionen während meiner meditativen Wanderung erklärt. Auch ich habe mir beispielsweise Orte zum Zelten gesucht, die geschützt und mit Ausblick und gern am Wasser waren – das Buch begründet dies mit archaischen Verhalten in der Entwicklungsgeschichte. Eigentlich simpel und man könnte auch selbst darauf kommen. Nicht ganz so klar erklärlich ist die bestärkende Wirkung der Natur. Ich habe mich während der drei Monate ziemlich in Holz verliebt, den Geruch, das Feuer (ich hatte einen Holzvergaserkocher zweimal täglich in Gebrauch), die Haptik. Dass da nun chemische Kommunikationsmittel der Bäume auch auf mich gewirkt haben könnten, wäre eine hübsche These für meine gewachsene Zuneigung. Interessant fand ich, mir heute die Leserrezensionen bei amazon zu dem Buch durchzulesen. Einige der Kritikpunkte kann ich rein sachlich teilen (Redundanzen, eher lässiges Lektorat, ein nicht immer schlüssiger Aufbau) – aber sie haben meinen Lesegenuss und meinen Erkenntnisgewinn nicht eingeschränkt, weil ich die gute Absicht in den Texten mitgelesen habe und in der Zusammenstellung tatsächlich auch ein Benefit liegt. Und: ich kann die Grundbotschaft des Buches sehr teilen: Die Natur hat bestärkende Wirkung.

Was das mit Organisationsentwicklung zu tun hat?

Nun, zum einen fußt die Entwicklung von Organisationen auf den persönlichen Entwicklungsprozessen von Menschen (und nicht nur der Leitenden); zum anderen sind viele Prozesse aus dem persönlichen Erleben auch auf Team- und Organisationsebene übertragbar. Der Begriff der Biophilie (als Liebe zum Leben von Erich Fromm als Gegensatz zur Nekrophilie, dem Hang zum Toten gesehen) ist auch für Organisationen anwendbar. Eine Organisation, die sich die Anregungen der naturgeschenkten Vorgänge als Vorbild nimmt, kann damit ganz erstaunliche Erfolge erzielen. Bislang wurde eher mit Organisationsmodellen aus dem Tierreich gearbeitet (Ameisen, Termiten, Bienen) – ich vermute, dass dies auch deshalb noch nicht wirklich im Pflanzenbereich geschieht, weil dieser Bereich noch nicht als eigenständig kommunizierend gesehen und erforscht wurde. Insofern: Spannendes Neuland! Wer das Buch gern kostenfrei lesen möchte und mir dafür eine Entgegnung auf meine Zeilen hier schreiben will, dem schenke ich gern ein (Rezensions-) Exemplar. Bitte per Mail melden, die erste Rückmeldung nach Erscheinen des SOCIUS Briefes „gewinnt“.

Gelesen hat „Der Biophilia-Effekt: Heilung aus dem Wald“ für Euch Rudi Piwko.

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch; Auflage: 5. (14. Oktober 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548376592
  • ISBN-13: 978-3548376592
SOCIUS liest: Who Do We Choose to Be? Margaret Wheatley (2017)

SOCIUS liest: Who Do We Choose to Be? Margaret Wheatley (2017)

Wheatley empfiehlt, dieses Buch langsam zu lesen, es wirken zu lassen wie einen alten Whiskey. Es ist ein eindringliches Mosaik aus kurzen Texten, Zitaten, Bildern und Gedichten, die sich mit der Frage auseinandersetzen, wie integre Führung im Angesicht von Zerfall und Chaos aussehen kann. Verwurzelt im Ansatz der Living Systems und getragen von tiefem Interesse an den spirituellen Grundlagen unseres Daseins, denkt Weatley hier die Erkenntnisse ihres 2006 erschienenem Klassikers „Leadership and the New Science“ einen Schritt radikaler.

Den düsteren Hintergrund bildet dabei die Feststellung, dass unsere Zivilisation – wie so viele zuvor – unrettbar am Ende ist (10 Generationen, rund 250 Jahre, dauert es, bis sich eine Kultur von der Pionierphase bis in die Phase der Dekadenz und des folgenden Zerfalls entwickelt). Anstatt diesen Untergang aufhalten zu wollen, plädiert Wheatley für die Schaffung von „Islands of Sanity“, Rettungsinseln, die zu Keimorten einer neuen Kultur werden können.

Das Buch lebt von einem dichten Netz an Bezügen – Erkenntnissen aus der Neurobiologie, der Informationstechnologie und der Quantenphysik, vor allem aber von Geschichten, mit denen sie Lektionen über lernende und selbst-organisierende Systeme aus dem Militär, aus Terrorzellen, aus Unternehmen, Klöstern und Sozialen Bewegungen transportiert. Zuvorderst legt Wheatley dabei den Finger in die Wunde unserer eigenen Haltung und Rolle: Who do we choose to be? In diesem Sinne ist das Buch ein Weckruf, der uns ermahnt, die transformative Herausforderung unserer Zeit anzunehmen und „Warriors of the Human Spirit“ zu werden. Ein sonderbares, inspirierendes Werk von einer bemerkenswerten Frau.

Gelesen hat Who Do We Choose to Be? für Euch Andreas Knoth.

Margaret WheatleyWho Do We Choose to Be?

Facing Reality, Claiming Leadership, Restoring Sanity. Sprache: Englisch.
336 Seiten, Verlag: Berrett-Koehler Publishers

https://margaretwheatley.com/books-products/books/who-do-we-choose-to-be/http://www.roundspeak-meetings.com/

SOCIUS liest: „Roundspeak Meetings“ von Bas Rosenbrand, 2017

SOCIUS liest: „Roundspeak Meetings“ von Bas Rosenbrand, 2017

Bas Rosenbrand ist Bildungsaktivist. Der Niederländer hat an verschiedenen innovativen Schulprojekten mitgewirkt und ist von der soziokratischen Idee mit ihren Kreisgesprächen inspiriert.

Mit „Roundspeak Meetings“ schenkt er der Community ein Handbuch, das seinem Namen alle Ehre macht.

In vielen kleinen Abschnitten, die nie länger als 6 Seiten sind, erklärt Rosenbrand nicht nur die Grundzüge von Roundspeak, sondern genauso geht er auf Widerstände, Stolpersteine und Hürden ein.

Die zwölf Prinzipien des Roundspeak sind:

WISSEN

  • Menschen sind aufmerksam wenn sie dazugehören
  • Alle haben Recht
  • Gefühle sind Informationen
  • Struktur ändert Verhalten

TUN

  • Einzeln sprechen
  • Sich ergänzen
  • Meinungen ändern
  • Mit allen Stimmen entscheiden

WACHSEN

  • Schafft kollektives Wissen
  • Teilt euch mit
  • Macht ihr den nächsten Schritt
  • Vertraut darauf dass ihr eine Lösung findet.

Jeder Person, die in welchem Setting auch immer in die Situation kommen kann ein Gespräch, ein Meeting, eine Runde zu moderieren und deren Anliegen es ist die beteiligten Menschen zu involvieren, sei die Lektüre dieses Buches empfohlen. Wem Augenhöhe und Partizipation ein Wert in der Zusammenarbeit ist, und wer nicht auf Effektivität und Effizienz verzichten will, die findet hier viele Anregungen die über die Einführung einer „Check-in-Runde“ am Anfang einer Sitzung hinausgehen.
Am Besten hat mir das Kapitel „Wenn es nicht funktioniert: ein Erste Hilfe Set“ gefallen, in dem mit einem Griff schnell nachzulesen ist, was man tun kann, wenn man feststeckt. Auch hier wieder nimmt Rosenbrand 12 Punkte genauer unter die Lupe, die in Meetings immer mal passieren können und gibt Tips. Tatsächlich kann dieses Kapitel einer Moderation in einer festgefahrenen Situation helfen. Kurze Pause: Schnell das Buch zur Hand genommen und geschaut ob das akute Problem beschrieben ist und welche Handlungsmöglichkeit vorgeschlagen wird.

Gelesen hat Roundspeak Meetings für Euch Nicola Kriesel.

Bas Rosenbrand, Roundspeak Meetings – Wie effektive Meetings gelungen Ein Handbuch – tologo Verlag Leipzig 2017

Aus dem Englischen übersetzt von Lena Kraus

http://www.roundspeak-meetings.com/

https://www.tologo.de/roundspeak-meetings/

SOCIUS liest: „Das Semco-System – Management ohne Manager – Das neue revolutionäre Führungsmodell“ von Ricardo Semler

SOCIUS liest: „Das Semco-System – Management ohne Manager – Das neue revolutionäre Führungsmodell“ von Ricardo Semler

(Original: Maverick: The Success Story Behind The World’s Most Unusual Workplace, 1993)

Fünfundzwanzig Jahre alt ist dieses Buch, das von einem neuen revolutionären Führungsmodell erzählt. In Zeiten in denen Frederic Laloux’s „Reinventing Organisations“ in vielen Organisationen als DAS Buch gehandelt wird und seine Good Practice Beispiele aller Orten Inhaber*innen, Führungskräfte und Mitarbeitende inspirieren, verschafft man sich nur schwer Gehör wenn man darauf hinweist, dass auch Laloux schon Vordenker*innen hatte, dass auch er inspiriert wurde und dass es lange bevor er Berater und Autor wurde, Menschen gab, die Arbeit und Organisationen anders gestalten wollten als es weithin üblich war.
Ricardo Semler ist einer von ihnen. Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts übernahm er in Brasilien die Firma Semco von seinem Vater. Ein traditionelles Unternehmen, das sich der Produktion von Schiffsschrauben und ähnlichem widmet. Große Fabriken mit vielen Arbeiter*innen an unterschiedlichen Standorten, internationale Handelsbeziehungen sind Alltag in der Führungsetage.
Ricardo Semler erzählt in dem 1993 erschienen Buch sehr persönlich wie er auf die Idee gekommen ist, sein Unternehmen zu verändern. Er schildert wie schwer es war Verbündete zu finden, wie viele Rückschritte und Verluste es gegeben hat, wie er angegriffen worden ist, für seine wahnsinnigen Ideen, das Management der Fabriken in die Hände jener zu geben die dort arbeiten.
Das Buch ist weder ein Management- noch ein Wirtschaftsbuch, sondern die spannende und menschliche Geschichte eines Unternehmers, der sein Unternehmen transformiert um mit einer revolutionär demokratischen Organisationsform humaner und produktiver zu werden.

 

Dieses Buch kann in der englischen Originalfassung von Maverick u.a. über den ecobookstore.de (der grüne Online-Buchhandel) bestellt werden. Das Suchergebnis finden Sie hier.

Dieses Buch hat Nicola Kriesel für Sie/ für Euch gelesen.

 

SOCIUS liest: „A hidden wholeness“ von Parker J. Palmer, 2009

SOCIUS liest: „A hidden wholeness“ von Parker J. Palmer, 2009

In Palmers Buch geht es um das Erschaffen von sozialen Räumen, in denen Menschen dezidiert besser in Kontakt mit ihrer inneren Weisheit bzw. ihrer inneren Stimme kommen. Ihm ist daran gelegen, die Vereinigung von gesellschaftlicher Rolle und innerer Überzeugung in Einklang zu bringen. Dafür beschreibt er recht eingängig Wege, wodurch vertrauensvolle Räume geschaffen werden können. Er widmet dabei eigene Kapitel der Nutzung von Metaphern und Erzählungen, der Kunst zuzuhören und zu sprechen, sowie der Schwierigkeit, Menschen Raum zur Auseinandersetzung mit eigenen Herausforderungen zu geben, ohne sie dabei zu analysieren oder in eine vermeintlich richtige Richtung zu lenken. Im Appendix gibt es einen extra Teil (ca. 40 Seiten), in dem konkrete Anwendungsbeispiele stehen, die von Anwender*innen seiner Methoden geschrieben sind, außerdem ist eine DVD mit Interviews und Anwendungen beigelegt.

Das Buch richtet sich speziell an diejenigen, die sich mit der Kunst des Raum-Haltens/Facilitation beschäftigen und Menschen einen Zugang zu ihrer ureigenen Wahrheit ermöglichen wollen. Parker Palmer versuchte ursprünglich, explizit Lehrer*innen aus den USA einen Raum zu geben, in dem sie sich mit ihrer Berufung auseinandersetzen konnten. Dafür hat er ein eigenes Zentrum, das Center for Courage & Renewal gegründet.Herausgegeben von Jossey-Bass, 260 Seiten, nur auf Englisch verfügbar

Dieses Buch ist u.a. bei buch7 – dem Buchhandel mit der sozialen Seite – erhältlich. Das Suchergebnis finden Sie hier.

Dieses Buch hat Simon Mohn für Sie/ für Euch gelesen.

 

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