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SOCIUS.Blog

Es gibt wenige Podcasts, die ich mehrmals höre, um immer tiefer und tiefer einzutauchen in das, was in einem Gespräch zwischen zwei Menschen an die Oberfläche tritt und sich erst beim mehrmaligen Hören entfaltet. Der Podcast “The Body as a Compass” ist einer dieser Podcast- Juwelen. In ihm interviewt Ayanna Young die Beraterin, Community Strategin und ehemalige Hebamme Nkem Ndefo, alleinerziehende Mutter zweier Kinder.

Beginnend mit dem schwierigen Begriff der “Resilienz” tauchen die beiden ein in Nkems Arbeit – Jahrzehnte, die sie Menschen begleitet hat – im Gesundheits-, Bildungs- und Community Bereich. Ihre Themen Resilienz und Embodiment sind Ankerpunkte, die auch mich als Prozessbegleiterin mehr und mehr bewegen:

  • Wie begreifen wir die Intelligenz, die in unseren Körpern wohnt?
  • Wie beeinflusst sie unsere menschlichen Interaktionen?
  • Und, was bedeutet sie für die Arbeit in Veränderungsprozessen, in dem Vertrauen, Zuhören und Dialog über schwierige Themen unabdingbar sind?

Gleich zu Beginn erläutert Nkem, wie problematisch sie den Begriff “Resilienz” findet, und gleichzeitig keinen besseren gefunden hat. Resilienz wird oft verwendet um systemische Probleme zu individualisieren, und meist kommt in der Betrachtung von Resilienz vieles zu kurz, was unter der Oberfläche unserer Systeme wirkt: Trauma, (toxischer) Stress oder Komplizenschaft in gesellschaftlichen Strukturen. Resilienz versteht Nkem als “Zurückeroberung” des Worts, als Re-Kontextualiserung in die heutige Realität komplexer Systeme. Dabei ist der Körper aus ihrer Sicht ein Reservoir für Resilienz: Unsere Körper beinhalten Weisheiten und wir können sie als Kompass, Guide und Begleiter:in in unser Leben einbinden.

Mit ihrem erfahrenen, empathischen und realistisch-weisen Blick auf die Welt berichtet Nkem davon, wie Stress und Trauma auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen wirken und sie belasten. Um tiefgreifende Veränderungen zu bewirken, und um unsere gesellschaftlichen Systeme zu “shiften” (zu verändern), brauchen wir Resilienz. Und gleichzeitig investieren wir einen Großteil unserer Energie in Überreaktionen auf den Stress, dem wir begegnen. Nkems Arbeit ist es, Menschen dabei zu begleiten, ihre Stress- und Traumareaktionen flexibler zu gestalten:

Zu verstehen, was unsere Stress- oder Traumareaktionen sind: Helfen sie mir wirklich? Bin ich in einer Überreaktion?
Wie kann ich meine Stress- oder Traumareaktion herunterfahren oder anpassen?
Verstehe und praktiziere ich zu pausieren und mich zu regenerieren?

Soziale Veränderungen brauchen Dialog – oft zu Themen und Fragen, die schwer wiegen, groß sind, tiefe Wunden verursachen und manchmal über Generationen hinweg in Narrativen und Erzählungen an uns weitergegeben werden:

  • Wie wirken sich rassistische Ungleichheiten auf unser Leben aus?
  • Wie erleben wir das Leben in oder nach einem Krieg?
  • Was hindert uns daran, uns als gleichberechtigte Wesen – egal welcher Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Bildungshintergrund oder sozialem Status – zu dieser Welt zugehörig und gesehen zu fühlen?

Teil der Resilienzarbeit nach Nkem ist es, in uns und mit anderen Kapazitäten aufzubauen, um in schweren und unbequemen Dialogräumen zu bleiben und uns dort zu begegnen. Resilienter zu werden bedeutet dabei zu lernen, wie wir unsere Stress- und Traumareaktionen anpassen – um soziale Transformationen quasi ins uns selbst vorzubereiten.

Wer Nkem zuhört, kriegt einen Eindruck davon, was es bedeuten kann, unsere verkörperten Fähigkeiten bewusst für die Entwicklung von sozialem Wandel einzusetzen. Für mich wird immer klarer, wie sehr unser “Kompass Körper” ein essentielles und unglaublich vielschichtiges Instrument für systemische Veränderungsarbeit ist – und wie viel wir miteinander in dieser Hinsicht lernen und entwickeln können.

Wer mehr erfahren möchte, kann hier tiefer eintauchen:
* Podcast “The Body as a Compass” mit Nkem Ndefo (Englisch)
* Dami Charf “Was ist ein Trauma?” (Deutsch) 
* Podcast “The Politics of Trauma” mit Staci Haines – über Somatik und soziale Gerechtigkeit  (Englisch)
* Appeasement als Trauma-Reaktion – Artikel von Nkem Ndefo und Rae Johnson
(Englisch)

Wer praktisch forschen möchte, wird im SOCIUS’ Werkstattzyklus “Bewegte Beratung” fündig. Dieser beginnt am 19. Mai 2022 – einige Plätze sind noch frei.

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