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SOCIUS.Blog

The Hard things about Hard things

Ben Horowitz, Schwierige Managementsituation und wie man sie meistert

Ben Horowitz will mit diesem Buch Klartext zum Thema Führung reden. Keine simplen Antworten liefern und keine Rezepte, wie gute Führung auszusehen hat. Er verspricht den Weg aufzuzeigen, wie er mit Startups das Internet revolutionierte und zum Partner der Venture Capital Firma Andreesen Horowitz wurde.

Wer in Zeiten post-heroischer Führungstheorien nur nach Bestätigungen sucht, wird von diesem Buch enttäuscht sein. Für alle anderen könnte ‚The hard things about hard things‘ ein interessanter Zwischenruf sein. Eine Erinnerung daran, dass vielleicht kein einzelner Ansatz zum Erfolg führt: Führung sollte vielmehr an Personen, Lebenszyklen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen angepasst werden können. Die eigentliche Kunst besteht somit darin, fluide zwischen unterschiedlichen Führungsstilen wechseln zu können; der Fehler darin, sich einem einzelnen Führungsstil zu verschreiben.

Die Botschaft, die mir das Buch mir vermittelte: Führung ist schwer. Ben Horowitz hat oft versagt, viel daraus gelernt und in entscheidenden Momenten das Ruder fest in die Hand genommen. Mit dem visionären Blick eines nur heimlich zweifelnden Kapitäns, der seine Schifflein aus diversen Stürmen führt. Mit dieser Dramaturgie liest sich das Buch wie eine klassische Heldenreise. Dabei bietet es einen Blick hinter die Kulissen des Silicon Valleys, wo unser Protagonist Höhen und Tiefen durchlebt, Widerstände bezwingt und am Ende geläutert von seinen Erlebnissen berichtet. Wir sitzen bei großen Übernahmedeals mit am Verhandlungstisch und bezeugen, wie das Handeln von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften das Überleben von Organisationen bedroht. Und wir tauchen in die Zeit der ersten Internetbrowser ab. Wir erinnern uns an Netscape, Napster oder AOL und vollziehen nach, an welch seidenen Fäden der Erfolg und Misserfolg dieser alten Riesen hing. Für Unterhaltung ist also gut gesorgt – auch wenn manche Einlassungen vor dem Hintergrund heutiger kollaborativer Organisationskulturen nicht mehr ganz zeitgemäß anmuten. 

Gibt ein solches Buch Anregungen für unseren Arbeitsalltag, auch wenn wir gerade nicht mit dem nächsten Übernahmedeal durchstarten? Durchaus:

  • Auf emotionaler Ebene kann das Lesen des Buches aktivierend wirken. Ben Horowitz motiviert dazu, Dinge selber in die Hand zu nehmen und sich nicht abschrecken zu lassen. Er macht auch keinen Hehl daraus, dass Führung nur durch Erfahrung gelernt werden kann und uns im Grunde ständig überfordert.
  • Zudem betont er die Notwendigkeit unterschiedlicher Führungsstile und der Fähigkei,t zwischen diesen wechseln zu können. Eine Firma, der es wirtschaftlich gut geht, kann anders geführt werden als eine Firma, die kurz vor ihrem Abgrund steht. Ihm zufolge sind Formen der kollaborativen Führung in Zeiten des Wachstums erfolgreicher, während heroische Ansätze in schwierigeren Zeiten von Vorteil sind. Das ist zumindest eine interessante These. 
  • Auch macht er plausibel, warum Organisationen in unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Führungspersonen benötigen – ein*e Gründer*in ist oftmals nicht die richtige Person, wenn die Zahl der Mitarbeitenden drastisch wächst. Und jemand, der gut darin ist, Unternehmen zu skalieren, wird vielleicht nie die chaosverliebte Magie des Beginnens nachvollziehen können. Und wie finden wir überhaupt die passenden Mitarbeitenden?
  • Eingestreut finden sich auch immer wieder Einsichten aus der Praxis, die direkt umgesetzt werden können. Etwa wenn Horowitz davon berichtet, wie Prozesse effektiver gestaltet werden können. Seiner Erfahrung nach lassen sich ineffiziente Prozesse fast immer auf eine Person zurückführen, die sich nicht ermächtigt fühlt, die auf Entscheidungen wartet und meint, nicht den nächsten Schritt gehen zu können. Womit sich wieder der Kreis zur Selbstorganisation schließt, indem auch Horowitz betont, wie wichtig Fürsorge und Ownership für Unternehmen sind.

Insgesamt habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Cherry-Picking scheint mir hier die ideale Strategie. Sich an Stellen, die mit einer kräftigen Prise Parternalismus gewürzt bleiben, nicht lange aufhalten und dafür andere Passagen genießen, die durchaus interessant und erhellend sind.

Sinnvoll zusammen wirken

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