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SOCIUS.Blog

In unserer neuen Kategorie „SOCIA Ausblicke“ wollen wir versuchen regelmäßig unser Augenmerk auf die Situationen von Frauen* im Arbeitsleben in NGOs, im Beratungsgeschäft und in Führungsverantwortung zu richten.

Zum endenden Jahr gibt Julia Hoffmann Antworten auf unsere Fragen. Wir freuen uns, das wir im nächsten Jahr Einblicke in die Gedanken und Ideen von Hannah Kalhorn und Lysan Escher lesen dürfen. Bevor weitere Kolleginnen aus dem SOCIUS NextWerk uns mitnehmen…

 

 

Was ist deiner Meinung nach der beste Weg, eine Gesellschaft zu verändern? 

Drei wichtige Wege für gesellschaftliche Veränderung sind für mich diese: 

 

  1. Uns die “inneren Geschichten”, in denen wir leben und die unser Handeln prägen, bewusst vor Augen zu führen und kritisch zu hinterfragen – und sie selbst weiterzuschreiben. Mit inneren Geschichten meine ich Narrative oder Erzählungen – das können große gesellschaftliche Erzählungen sein, oder sehr persönliche. So eine innere Geschichte kann heißen “Ich kann das nicht” oder “Ich öffne mich dem Unbekannten”. Je bewusster wir uns dieser Erzählungen sind, die in uns wirken, um so mehr Bewusstheit entsteht in unserem Handeln. Und wir können sie verändern, z.B. in “Ich gehöre dazu”. 
  2. Fragen hinterfragen: Die großen gesellschaftlichen Fragen, die unsere Gesellschaft beschäftigten, hinterfragen. Vor einer Weile las ich auf dem Cover des SPIEGEL die Frage “Gehört der Islam zu Deutschland?” Aus meiner Sicht geht es hier nicht um das ob – es geht um das wie. Wenn die Frage hieße, “Wie gehört der Islam zu Deutschland?” oder “Wie gehört das Christentum zu Deutschland?” sind wir in einem ganz anderen Diskurs. Einem, der von Neugier und Suche geleitet ist, und keinem der mit dem Urteilen beginnt. 
  3. Sehr viele kleine Schritte und Mikro-Veränderungen, die jede:r einzelne von uns bewegen kann. Über Jahre, Jahrzehnte und manchmal Jahrhunderte können daraus Strömungen und massive Veränderungen erwachsen, so wie beim Frauenwahlrecht oder dem Fall der Mauer.

 

Wie bist du zu deinem Job gekommen?

Das Wort “Job” trifft es für mich hier nicht, es ist eher eine Art Wirkungsrolle oder Tätigkeit. Ich bin hier, weil ich schon seit vielen vielen Jahren, eigentlich seit ich denken kann, mit und in Ehrenamt und in Nicht-Regierungs-Organisationen gearbeitet habe. Dazu kam, dass ich nach einer Weile immer öfter in Rollen kam, in deren es darum ging, Menschen zusammenzubringen, zusammen Projekte zu organisieren, zu verantworten. Dabei fand ich mich mehr und mehr mit Flipchart und Stift, den anderen zuhörend und dann die roten Fäden unserer Diskussionen, Besprechungen und Strategien im Blick behaltend. Daraus erwuchs meine Art Prozesse zu begleiten, moderierend und visuell, mit dem Stift das gemeinsame Wissen herauszukitzeln und zu beleuchten . 

 

Was möchtest du mit deinem Job erreichen? 

Ich möchte bewirken, dass die Teams, Gruppen und Personen, die ich begleite mit Klarheit, Kraft und Kreativität das verstehen und gestalten, was ihnen wichtig ist – egal ob es eine Herausforderung, oder ein Hindernis ist, das im Weg steht. Dass Raum für gemeinsames Denken in Tiefe entsteht und jede einzelne Person sich eingeladen fühlt, das beizusteuern, was ihr wichtig für das gemeinsame Vorhaben ist.

 

Welchen Beruf wolltest du lernen, als du ein Mädchen warst? 

Ich wollte richtig, richtig, richtig viele verschiedene Dinge tun: Ballerina, Pferdepflegerin, Designerin und Innenarchitektin. Später dann Botschafterin in Frankreich werden, Europa-Abgeordnete, Psychologin oder Fotografin. Es war ziemlich schwierig mich in all diesen möglichen Richtungen für einen Weg zu entscheiden. Ich hab auch heute noch die Lust am Entdecken von verschiedenen beruflichen Zweigen. Ich würde auch nicht ausschließen, dass ich irgendwann auch nochmal was anderes machen möchte. 

 
Wen oder was bewunderst du gerade? 

Die Natur: Es ist famos wie ein Kompost – also ein Ort auf den man ausschließlich Abfälle sammelt und diese Abfälle dann lange genug pausieren bzw. liegen lässt, die nährstoffreichste Erde – Muttererde – produziert. Diese Form der Regeneration finde ich unglaublich. Da kriegt “Pause” auf einmal eine ganz andere Bedeutung. 

 
Wie sieht ein Traum von einer besseren Welt aus? 

Es ist eine Welt, in der wir mit Blick auf die Natur verhindern kann, dass es noch viel, viel schlimmer wird. Mein Traum ist, dass wir uns alle tief in unserem Inneren darüber bewusst werden, wie wertvoll diese Ressource, dieser Planet ist. Es ist eine Welt, in der wir Menschen dieses Wissen teilen, ausgehend von ihm handeln und wirklich unser Verhalten als Gemeinschaft verändern – rasant, effektiv und mit Verständnis und Mitgefühl einander gegenüber für die Emotionalität, die diese Veränderungen hervorrufen werden. 

 
Was bedeutet Erfolg für dich? 

Erfolg bedeutet für mich hier Wirkung, im besten Falle Tiefenwirkung. Das hat im beruflichen Sinne damit zu tun, was vorhin anklang: Räume zu öffnen und zu halten, in denen Kreativität wieder sprudeln kann; Räume, in denen Teams sich in einer gemeinsamen Vision wiederfinden oder in einem Moment des tiefen Verstehens voneinander.

 

Aus welchem Fehler hast du am meisten gelernt? 

Viel habe ich aus den Gesprächen über Finanzen und Gehälter gelernt, und da lerne ich immer noch weiter. Ich finde Geld generell ein schwieriges Thema – da wirken bei mir und in meiner Erfahrung bei vielen von uns tiefe “innere Geschichten”.

 

Siehst Du Dich als Vorbild? 

Als jemand von den “leiseren Menschen” habe ich oft diejenigen geschätzt, die trotz einer klaren Zurückhaltung in Gruppen oder Gesprächssituationen an einem gewissen Punkt das Wort ergriffen. Meist haben sie zuerst gut zugehört. Aber was dann kam, hatte eine Tiefe und hat mir bewusst gemacht, dass auch wir leiseren Charaktere dazu gehören. Ich hoffe, dass ich Menschen, die von einem ähnlichen Schlag sind, ähnlich inspirieren und zeigen kann, dass es auch für uns in dieser oft lauten Welt einen Platz gibt.  

 
Hast du einen Grundsatz, nach dem du lebst? 

“Alles was ist, darf sein. Und was sein darf, kann sich verändern.” Das ist ein Satz aus der Gestalt-Lehre. Meine Familie zitiert mir das mittlerweile vor, weil ich es ihnen gegenüber so oft in Alltagssituationen verwendet habe. Ob ich komplett danach lebe, weiß ich nicht, und versuche es jedenfalls. 

 
Was bedeutet Feminismus für Dich? 

Für mich ist Feminismus eine politische Haltung, die klare Fragen auf die gesellschaftlichen Strukturen, kulturellen Muster, und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten von Individuen, lenkt. Eine Haltung, die im Blick hat, wie unterschiedlich bestimmte Gruppen gesellschaftlich beteiligt, machtvoll oder einflussreich sind – und von einer Welt träumt, in der alle Menschen gleich bedeutsam sind. 

 

Wie lebst du Feminismus in deinem Team (vor)? 

Ich versuche Fragen um Rang und Macht im Blick zu behalten, auch das Thema “Gender” offener anzusprechen und dazu beizutragen, dass es einfacher wird, darüber zu reden. 

 
Wie versuchst du, die Sichtbarkeit in deinem Team von Minderheiten in deinem Team zu verbessern?

Ich versuche Themen und Fragen hineinzutragen, die nicht für alle gleichermaßen virulent sind. Und uns im Bewusstsein zu halten, dass wir hier noch mehr machen und wachsen können. 

 
Welche familienfreundlichen Maßnahmen könntest du? Würdest du gerne in deinem Team umsetzen? 

Ich erlebe SOCIUS als sehr flexibel in Bezug auf familiäre Bedarfe und habe das Vertrauen und die Erfahrung, dass es bei Bedarf Verständnis und Unterstützung der Kolleg:innen gibt. 

 
Was möchtest du jüngeren Frauen und Berufsanfängern mit auf den Weg geben? 

Neben allem Realismus und Fragen der Sicherheit, die die Berufswege bestimmen, vergesst nicht zu fragen: Was macht mir wirklich wirklich Freude? Bei welcher Tätigkeit vergesse ich die Zeit? Wovon träume ich? Was auch immer ihr macht, nehmt einige dieser Zutaten mit ins berufliche Leben und haltet so eure Neugier lebendig.

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