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SOCIUS.Blog

In unserer neuen Kategorie „SOCIA Ausblicke“ wollen wir versuchen regelmäßig unser Augenmerk auf die Situationen von Frauen* im Arbeitsleben in NGOs, im Beratungsgeschäft und in Führungsverantwortung zu richten.

Schon geht die Interviewreihe weiter mit Nicola Kriesel. In den nächsten Wochen könnt Ihr die Antworten von Joana Ebbinghaus und Julia Hoffmann lesen und dann werden wir die Frauen aus unserem SOCIUS NextWerk fragen. Bestimmt haben auch einige Kollegen Interesse daran die Fragen zu beantworten. 

 

Was ist deiner Meinung nach der beste Weg eine Gesellschaft zu verändern?

Ich denke, Gesellschaftsveränderung gelingt am ehesten mit vielen kleinen Schritten von vielen (kleinen) Leuten an vielen verschiedenen Orten. Sich zusammen zu tun, aktiv zu werden und auch die kleinen Veränderungen zu würdigen, ist, glaube ich, ein guter Weg. Im Einklang mit den eigenen Werten zu handeln und dieses Handeln immer wieder an der gemeinsamen Vision auszurichten, ist mir wichtig.

Wie bist du zu deinem Job gekommen?

Meine Tätigkeit bei SOCIUS ist mehr als ein Job für mich und es gibt eine Seite in mir, die glaubt dass es eine schicksalshafte Fügung war, dass SOCIUS und ich uns gefunden haben. Ich arbeitete mich 2004/05 mühevoll aus einer großen Sinn- und Lebenskrise heraus, wusste dass ich mein Leben nicht als Anwältin/Juristin verbringen wollte, wusste aber auch nicht recht, was mit dem Jurastudium denn sonst noch anzufangen sei. Die Mediationsausbildung hatte ich schon abgeschlossen, aber als Mediatorin alleine Lebensunterhalt zu verdienen, ist quasi unmöglich. In dieser Situation erzählte eine Bekannte mir von einem Freund, der in einer Beratungsfirma arbeite, die eine Juristin mit Kommunikationskompetenzen suchen. Sie hat dort meinen Namen ins Spiel gebracht, der Freund richtete aus ich sollte mich doch mal melden, und das tat ich gerne. So kam es zu einem ersten Treffen zwischen Christian Baier, Andreas Knoth und mir. Das war im Mai 2005. Seit dem arbeite ich mit großer Lust und Begeisterung im Team von SOCIUS.

Was möchtest du mit deinem Job erreichen?

Ich möchte gerne dazu beitragen, dass wir Arbeitskontexte schaffen, in denen Menschen gedeihen und sich entwickeln können. Arbeitskontexte, in denen Teamgeist, Solidarität, Loyalität, Inklusion genauso eine Rolle spielen wie Selbstbestimmung und Selbstverantwortung.

Welche Beruf wolltest du lernen als du ein Mädchen* warst?

Als ich so zehn Jahre alt war, wollte ich Archäologin werden. Tutanchamun hat mich sehr fasziniert.  Einige Jahre später wollte ich dann Bundeskanzlerin werden (die erste. Ist mir nicht gelungen, wie alle wissen). Damit stand dann recht früh der Studiumswunsch Jura fest. Zwischendurch liebäugelte ich mich Pädagogik und/oder Psychologie. Im letzten Schuljahr war ich gezwungen einen familiären Rechtsstreit zu bewältigen, der meinen Studiumswunsch Jura sehr verfestigte. Mein Ziel war es für mehr Gerechtigkeit für Kinder zu sorgen.

Wen oder was bewunderst du?

Ich bewundere meine Kinder für ihre Willensstärke und ihre Unverbogenheit. Ich bewundere meine Mutter, die als alleinstehende Frau, ihren Weg gegangen ist und sich immer treu geblieben ist. Überhaupt bewundere ich alleinstehende Eltern, die mit so viel Liebe und Kraft so wertvolle Dienste leisten, oft nicht nur an ihren Kindern, sondern auch für die Gesellschaft. Ich bewundere Menschen, die friedvoll für das einstehen an was sie glauben.

Wie sieht dein Traum von einer besseren Welt aus?

In einer besseren Welt geht es vor allem gerechter und damit auch freier zu – für alle. Menschenrechte würden überall geachtet und statt großem Reichtum für einige wenige (weiße Männer), gäbe es Wohlstand für alle, Achtung vor allen Lebewesen inklusive.

Was bedeutet Erfolg für dich?

Mit dem Begriff „Erfolg“ kann ich nicht so viel anfangen. Ich ersetze ihn gerne durch „Gelingen“. Dass mir etwas gelingt, für das ich mich einsetze, was mir wichtig ist, was meiner Vision dient und dem nach dem ich strebe – das ist durchaus bedeutungsvoll für mich.

Aus welchem Fehler hast du am meisten gelernt?

Ach – ich bin gar nicht sicher ob wir aus Fehlern tatsächlich so viel lernen können wie immer behauptet wird. Und wenn ich so drüber nachdenke, dann scheint es so zu sein, dass ich mich mit Fehlern nicht sehr lange aufhalte und sie schnell vergesse oder verdränge. Das geht mir auch mit so genannten Fehlern so, die andere machen. Wenn es ein Fehler ist, zu viel zu reden und zu wenig zuzuhören und andere oft zu unterbrechen, dann ist das wohl der Fehler durch den ich am meisten gelernt hab, anderen zu zu hören, sie sprechen zu lassen und präsent zu sein.

Siehst du dich als Vorbild?

Manchmal wäre ich gerne eins. Dann wieder gar nicht. Ich hab schon gehört, dass andere mich als Vorbild sehen. Das macht mir meist ein eher unangenehmes Gefühl, selbst wenn es mir auch ein bisschen schmeichelt. Jedenfalls versuche ich mich so zu benehmen, dass ich eins sein könnte. Die größte Aufgabe hierbei ist wohl Demut.

Hast du einen Grundsatz nach dem du lebst?

Am Küchenschrank meiner Mutter hing jahrelang der Satz „Es gibt nichts Gutes außer man tut es“, gleich neben „Toleranz gegenüber Intoleranten ist keine Tugend, sondern Selbstmord“ und „Im Beruf und in der Liebe kann man immer neu anfangen, bei Kindern ist das unmöglich.“ – alles Sätze, die mich immer wieder begleiten, die mich als Mädchen und junge Frau nachdenklich gemacht haben und denen ich immer noch etwas abgewinnen kann. An meiner Küchentür heute, hängen auch viele Sprüche.

Einer der nicht da hängt, der mich aber immer wieder leitet, ist: „Liebe ist nichts für Feiglinge.“

Was bedeutet Feminismus für dich?

Feminismus ist eine Art das eigene Leben zu gestalten. In meinem Leben hat es Feminismus schon immer gegeben und so ist er quasi integraler Bestandteil meines Seins. Ich kann mich nicht erinnern mich jemals nicht als Feministin identifiziert zu haben. Feminismus ist die Überzeugung dass Gleichberechtigung – unabhängig vom Geschlecht – richtig ist. Feminismus trägt zu Gerechtigkeit und Freiheit für alle bei.

Wie lebst du Feminismus in deinem Team vor?

Ich glaube ich lebe das nicht vor. Was ich tue, ist, da wo ich es kann, dafür zu sorgen, Frauen* zu empowern in Positionen zu gehen, in denen sie Entscheidungen treffen können, auch andere Frauen* zu empowern.

Wie versuchst du die Sichtbarkeit von Minderheiten in deinem Team zu verbessern?

Ich hoffe, dass ich dazu beitrage, dass alle gleichermaßen Gehör finden, und ich trage gerne dazu bei, dass die Diversität in unserem Team noch vergrößert wird. Da haben wir noch Nachholbedarf.

Welche familienfreundlichen Maßnahmen konntest du/würdest du gern in deinem Team umsetzen?

Kinder sind im Büro willkommen. Wenn jemand aufgrund von Pflegetätigkeiten für Familienangehörige (egal welchen Alters) im Job ausfällt, kann die Person sich unserer Unterstützung und Solidarität gewiss sein.

 Was möchtest Du jüngeren Frauen* und Berufsanfängerinnen mit auf den Weg geben?

Traut Euch eigene Wege zu gehen, unangepasst zu sein. Baut Euch früh Netzwerke auf, pflegt Freundschaften und gönnt Euch Begleitung durch Ältere.

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