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SOCIUS Rückblick 2018 von Christian Baier

SOCIUS Rückblick 2018 von Christian Baier

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Christians Rückschau

Der Rückblick auf 2018 beginnt bereits 2017

Wenn ich auf die Entwicklungen von SOCIUS in 2018 zurück schaue, beginnt dieser Rückblick bereits Ende 2017. Schon seit längerem nehmen wir für uns in Anspruch, das „heroische Prinzip“ einer Führungskraft überwunden zu haben – Entscheidungen werden gemeinsam und gleichberechtigt getroffen. Das hat manchmal ein wenig gerüttelt und häufiger einige Kommunikationsschleifen gebraucht. Allerdings war es so möglich, den Übergang von einer mehrheitlich bzw. einzeln geführten Organisation zu einem gleichberechtigten System zu gestalten – ohne dass z.B. die Gründungsfigur, wie manchmal beschrieben, gehen musste. Wir waren also durchaus stolz auf uns, als die tatsächliche „Belastungsprobe“ dieses Zusammenwirkens Ende 2017 kräftig zuschlug. Hintergrund des Konflikts war die Frage nach dem eigenen Handlungs- und Entscheidungsspielraum im Konflikt mit dem gemeinsam verabredeten. Und – anders als vorher – hatte es eine Qualität, die auf die persönliche Ebene durchschlug und uns in dieser Manifestation durchaus überraschte. Rückblickend wurde deutlich, dass wir vielleicht doch – gemeinsam – noch stärker im heroischen Tun steckten, als wir uns zugeben wollten. Und dass dieses nun wirklich an seine Grenzen stieß.

  1. Wir haben uns geschüttelt wie ein Hund, die emotionalen Vorwürfe relativ schnell angesprochen (wie schön, dass wir doch intuitiv spüren, wann wir externe Moderation benötigen) und konnten weiter gehen.
  2. Wir haben Muster durchbrochen und vor allem reflexhafte Argumente aus den Rollen „Gründer“ oder „Nicht-Gründer“ konsequenter hinterfragt.
  3. Wir denken mehr in Funktionen und konkreten Tätigkeiten bzw. Rollen als in Positionen und Machtzuschreibungen. Ein buntes Rollenboard sichtbar über unserem Drucker, das in unterschiedlicher Regelmäßigkeit betrachtet wird, ist eine sichtbare Konsequenz davon. Hier üben wir uns ständig weiter und sind neugierig gespannt, wo das System uns hinführt.
  4. Wir haben im Jahr viel Zeit genommen interne Prozesse zu reflektieren und kommen – für meinen Eindruck – zunehmend besser dahin, persönliche und Organisationsebene dabei angemessen zu thematisieren.

So anstrengend die Situation war, so kräftig war ihr beschriebener Impuls, der in das Jahr 2018 führte. Sicherlich lässt sich nicht alles auf den einen Urknall zurückführen, doch die Bedeutsamkeit, sich selbst nun einmal Strukturen und Prozesse zu geben, die das gemeinsam Gewünschte auch tatsächlich widerspiegeln, diese Notwendigkeit wurde deutlich, von allen gespürt und hat zu weiten Konsequenzen beigetragen.

Form follows Function: „Strukturanpassungsmaßnahmen“

Herbst 2018 – passend zum 20 jährigen Jubiläum der SOCIUS Organisationsberatung gGmbH – wurde diese Entwicklung strukturell untermauert: die gemeinnützige GmbH ging aus dem Besitz einzelner in das Eigentum der eG als 100prozentige Tochter über. Gleichzeitig vertreten seitdem sieben Berater*innen der SOCIUS eG diese nach aussen. Innerhalb der bürgerlich-rechtlichen Möglichkeiten haben wir damit unser eigenes Verständnis von Selbstorganisation weitestgehend möglich strukturell manifestiert und tragen es nun auch mit Freude nach außen. Glasl meets Laloux sozusagen.

Neben Glasl („Phasen der OE“) und Laloux („Selbstorganisation“) sind die Modelle um Komplexität (u.a. Stacey u.a.) das dritte rahmengebende Modell unseres eigenen unternehmerischen Sozialexperiments. Mit der geteilten Verantwortung diskutieren wir weniger in Überschriften als in konkreten Schritten der Umsetzung; weniger in der Konzeptentwicklung eines gesamten Bildungsbereiches als in der konkreten Entwicklung von Angeboten aus denen sich später ein Straus ergibt; weniger in abstrakten Qualitätsmaßstäben als in konkreten Reflexionen unserer Arbeit sowohl in Trainings als auch in der Beratung. Das wird auch 2019 weiter gehen ebenso die Labore, der oe-tag, andere Bildungsveranstaltungen; aber auch die internen Teamsitzungen, „SOCIUS-Tage“ und unsere Wegfahrklausur.

„Sinnvoll zusammen wirken“ wollen wir nach innen und nach außen. Dementsprechend haben wir uns dem Aufruf von #unteilbar angeschlossen, einige von uns waren auch auf der Demonstration im Oktober. Wir verstehen uns als Beratungsorganisation und als Teil einer pluralistischen, offenen (Zivil-)Gesellschaft. Gleichzeitig werden wir zukünftig weiter schauen, wie und was unsere explizite Stimme beitragen kann in diesem Konzert.

Mein oben dargestellter Rahmen bezog sich auf drei Modelle. Wer mag kann beispielsweise hier weiterlesen:

  • Glasl („Phasen der Organisationsentwicklung“): Dynamische Unternehmensentwicklung. Grundlagen für nachhaltiges Change Management. Haupt-Verlag, 5. Auflage 2016.
  • Laloux („Selbstorganisation“): Reinventing Organisations. Verlag Vahlen
  • Stacey (“Komplexe Systeme”): Complex responsive processes as a theory of organizational improvisation. Routledge-Verlag, 2006.
Transnationales Treffen in Reykjavik, Projekt STAR E („Standing Together Against Racism in Europe“)

Transnationales Treffen in Reykjavik, Projekt STAR E („Standing Together Against Racism in Europe“)

Vom 10.-13.4. fand das zweite Transnationale Treffen aller am Projekt STAR E („Standing Together Against Racism in Europe“) beteiligten internationalen Jugendaustauschorganisationen zum Thema „Anti-Rassismus und Change“ in Reykjavik statt. Neben vielen spannenden Gesprächen mit Teilnehmenden aus 10 europäischen Ländern und interessanten Auseinandersetzungen zur Frage wie sich Organisationsentwicklung und rassismussensible Arbeit verbinden lassen, hatten wir auch die Chance, einen kurzen aber nachdrücklichen Eindruck dieser wunderschönen Insel zu bekommen. Erneut bestätigt gefunden hat sich unsere langjährige Erfahrung, dass es sich an besonders schönen Orten auch besonders gut und kreativ arbeiten lässt!

Ein wichtiges Ergebnis war die Verständigung auf eine Positiv-Definition als Zielorientierung des gemeinsamen Austausch- und Lernprozesses; also nicht als verbindende Frage: wie wehren wir uns gegen Rassismus (und andere Formen der Diskriminierung) sondern: wie stehen Organisationen der internationalen Freiwilligenarbeit ein für Vielfältigkeit und Anerkennung von Unterschiedlichkeit. Auf diese Weise waren wir schnell bei den Themen Diversity und Inklusion und bei der Reflexion darüber, wie schwer es ist, in organisationellen Netzwerken, die fast familiären Charakter haben, sich Vielfalt und auch Vielfalt im Denken gegenüber zu öffnen. Auf diese Fragen zugeschnitten sollen nun Ansätze der Organisationsentwicklung diskutiert, erprobt und angepasst werden. Greifbares – und auch für andere Organisationen nutzbares – Ergebnis wird eine gemeinsam zu erarbeitende Handreichung werden, die Methoden für inklusive und diversitätsorientierte OE aufgreift und praxisbezogen darstellt. Ihre Fertigstellung ist für Frühjahr 2020 vorgesehen.

Darüber hinaus war es spannend, mehr über die Erfahrungen aus Island im Zusammenhang mit der Integration von Geflüchteten zu erfahren. Zuwanderung aus verschiedenen krisengeschüttelten Länden nach Island hat im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern erst mit einer Verzögerung von ca. 10 Jahren begonnen und findet erwartungsgemäß geringerem Umfang statt. Zivilgesellschaftliche Gruppierungen in Island haben, von daher das Gefühl, bewusster von Erfahrungen in anderen Ländern zu lernen und das Augenmerk deutlicher auf die Chancen der Zuwanderung zu lenken.

Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit dieser kreativen und diskussionsfreudigen Gruppe!

Joana Ebbinghaus, Christian Baier

 

Rahmen basteln oder wie interkulturelle Teilhabe gelingt

Rahmen basteln oder wie interkulturelle Teilhabe gelingt

Kathrin Schrader (Citizen Journalist, Berlin) spricht mit Christian Baier über das erfolgreiche Überwinden von engen Kästchen.

Als ich mich mit Christian Baier für das Interview verabredete, fragte er mich, über welches seiner Arbeitsthemen wir reden möchten. Er begann aufzuzählen. Meine Notizen nach diesem Telefonat füllten ein Blatt in meinem Notizbuch. Da ging es um Stadtteilentwicklung, eine Zukunftswerkstatt, das Quartiersmanagement in Schöneberg, in dem Socius ab 2014 einen Prozess begleiten wird, um Organisationsentwicklung und um Entwicklungszusammenarbeit, das Jahr in Mali als Entwicklungsstipendiat des Deutschen Entwicklungsdienstes, nicht zuletzt auch um die Musik, den Chor. Ich fand das alles spannend und konnte mich nicht entscheiden. Christian ging es genauso.

Meine erste Frage, als wir uns dann trafen, war, wie ein Mensch diese vielen Themen in eine Vita bringt.

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